Dublin
Wir sind ja lernfähig und eines der ersten Dinge, die wir in
Dublin lernen ist, dass Ampeln überbewertet sind. Rote Ampeln sind für
Fußgänger nicht vorhanden. Nun ist der Verkehr in Dublin nicht gerade
übersichtlich aber das stört den allgemeinen Fußgänger nicht weiter und wir
reihen uns ein und habens überlebt.
Das erste B&B wird wieder verworfen. Wir hätten dann
doch gerne eine Toilette im Zimmer und nicht die Dusche direkt neben dem Bett.
So kann das Internet mit Bildern trügen. Das nächte B&B fällt unter die
Kategorie „ok“. Wir lernen: B&B am besten außerhalb der Stadt und damit
leben, mit dem Auto reinfahren zu müssen.
Insgesamt hat Dublin nette Ecken aber so richtig überzeugt
sind wir nicht. Zu viele schlechte und schmuddlige Kneipen/Restaurants – an den
ersten 2 Tagen gelingt es uns nicht, etwas zu finden, das uns zusagt.
Die Frequenz an Musikern, die in den Einkaufsstraßen ihr (oft gutes) Können zum Besten geben ist so hoch, dass man immer von einer Musikrichtung in die andere geworfen wird, wenn man die Reichweite der Verstärker überwunden hat.
Da in Dublin zur Zeit unseres Besuches ein Tanzfestival stattfand, gab es abends für uns Tanztheater - sehr schön.
Galway
Nichts wie raus aus der Stadt und ab in Richtung Galway. Die
Fahrt geht schnell und Galway empfängt uns extrem trubelig,
bunt und gut gelaunt. Hier fühlen wir uns direkt wohler. Viele schnucklige
kleine Läden, eine irre Menge an süssen Pubs und Restaurants und ne Menge
Studenten, Musiker und buntes Volk.
Das B&B Abbeylee ist schnucklig, die Gastgeber Marie und
Michael herzallerliebst. Scheinbar hab ich mit meinem Husten (ich hab mit ner fiesen Erkältung die Reise angetreten) das ganze Haus
wach gehalten auf jeden Fall werde ich beim Frühstück mit heißer Zitrone, Honig und Nelken verwöhnt – extra zum reichhaltigen Frühstück
Dass Samstag früh ein Markt stattfindet, erfreut mein Herz und ich hätte Stunden dort verbringen können – es gab viele Stände mit Organic Vegetables, selbstgebackenem Brot und jede Menge vegetarische Imbissstände. Doll.. im Herzen bin ich wohl Hippie. Wer sonst schreit entzückt auf, wenn dort Möhren angeboten werden, die noch voller Erde sind. Hier werden die ersten Einkäufe fürs Cottage getätigt, der Rest im Supermarkt eingekauft und dann geht es auf der Landstraße Richtung Claddaghduff, wo unsere Heimat für 1 Woche sein soll - ich weiß im übrigen bis jetzt noch nicht, wie der Ort korrekt ausgesprochen wird.
Erwähnenswert ist hier ein ungeplanter Stopp an Maams Cross.
Uns plagt ein Bedürfnis und ich sehe aus den Augenwinkeln ein Hotel – vermeintlich.
Es war wohl mal ein Hotel und kein kleines aber irgendetwas hat dazu geführt,
dass es nicht mehr in Betrieb ist. Allerdings nutzt man die Räumlichkeiten noch
zum Betrieb eines Cafés und die Toiletten, um die wir so verlegen waren, sind
auch zugänglich. Geht man durch die Gänge oder sitzt man im Café, das nur einen
Teilbereich des riesigen Raumes
ausmacht, so denkt man, in einem Geisterhaus zu sein. Es ist unwirklich und
kommt hoffentlich auf dem Foto etwas raus. Zusätzlich war der „Markt“ an der
Straßenkreuzung, der für Handwerker konzipiert war und bei dem man von
Gummistiefeln über Schrauben zu Leitern alles erstehen konnte, für uns so
irgendwo im nirgendwo schon etwas scary. Schön beschrieben finde ich das in diesem Artikel von der Zeit: Klick - hier steht geschrieben: "Dennoch sind wir mehr als überrascht, zu erfahren, daß Maam Cross den Ruf eines Piccadilly of Connemara genießt, was erst verständlich wird, wenn man weiß, wie wenig Trubel das gesamte Umland zu bieten hat: Ein Moorbauernball alljährlich im Februar auf Peacockes Ballsaal reicht, um dem Ort einen Ruf als Metropole einzutragen."
Dass in dem nächstgrößeren Ort Clifden, durch den wir durchkommen, gerade die „Heimatkapelle“ vor einem Pub ein Konzert gibt, kommt uns sehr gelegen und bei einem Pint in der Sonne sitzen lauschen wir den Klängen der Fidler um die Zeit zu vertreiben, bis wir ins Haus dürfen.
Claddaghduff Cottage
Der Schlüssel war uns vor der Reise schon zugeschickt worden – die Wegbeschreibung passte. Am blauen Tor fanden wir das reetgedeckte Haus vor und waren angetan. Groß, sauber (nicht unwichtig) und liebevoll eingerichtet. Der Wintergarten, in dem der Esstisch steht, bietet eine grandiose Sicht aufs Meer und Omey Island. Findet man sonst in Ferienhäusern eine Menge an Infomaterial vor, gab es nur eine Mappe, in der beschrieben war, wie man mit Daisy umgehen sollte. Daisy ist ein Hund aus der Nachbarschaft, der den Cottage-Bewohnern über ihren Urlaub Gesellschaft leistet. Ich bin begeistert, würde sich Daisy nur mal blicken lassen - sie hat es bis zum Ende des Urlaubes nicht getan, leider.
Für restliche Informationen und Tipps in der Umgebung soll man sich das Gästebuch durchlesen und das ist wirklich irre und ich versinke am ersten Abend in 15 Jahren Gästebucheinträgen mit Tipps und lustigen Geschichten. Viele Bewohner haben sich irre Mühe gemacht. Da gibt es Zeichnungen, wie die Torfbriketts am besten gestapelt und angezündet werden. Wanderrouten werden beschrieben, die liebsten Spiele von und mit Daisy oder wie man das Klappern gewisser Gebäudeteile bei Wind abstellen kann.
Diamond Hill
Den ersten Tag nutzen wir zur Besteigung des Diamond Hill, der ganz in der Nähe im Connemara National Park liegt. Er ist zwar nur vierhundertirgendwas Meter hoch aber zum einen ist der Anstieg für uns Ungeübte recht steil und zum anderen sieht es aus, als ob man jenseits der Baumgrenze recht hoch im Gebirge ist. Ist der Wind im Tal noch sehr warm, wird er weiter oben stürmisch und kühl – wir genießen eine irre Aussicht oben auf dem Gipfel in alle Richtungen der Umgebung und werden überholt von einem Läufer. Mich als Möchtegernläuferin beeindruckt weniger, dass er es auf den Gipfel geschafft hat – ich weiß wohl, dass man sich die Kondition antrainieren kann. Was mich am meisten beeindruckt ist, dass er offensichtlich ohne Stürze die Steine hoch- und runterlaufen kann, während ich gehend schon Angst hab, mich auf die Nase zu legen. Boah… hatte der Kerl Oberschenkel.
Unser Urlaubsgott hat uns für die erste Wanderung das perfekte Wetter geschenkt, so dass wir die erste Färbung ins Gesicht bekommen. Es waren nur 7,5 km aber die hatten es in sich.
Die GPS-Daten sind hier:
Begleitendes Buch: „Der Tod ist ein bleibender Schaden“ von Eoin Colfer. Das Buch handelt nicht direkt in Irland sondern von einem Iren, der in New Jersey als Türsteher arbeitet und aus Versehen in diverse Morde etc. verwickelt wird. Eine verrückte und verschrobene Gaunerkomödie. Wir hatten im Rahmen der Litcologne Eoin Colfer persönlich bei einer Lesung dieses Buches erleben dürfen und neben dem wunderbaren Vortrag eines deutschen Schauspielers, waren die Episoden von Colfer, die er zwischendurch erzählte, sehr amüsant.
Omey Island oder Snale Island
Ich glaube, Omey Island ist der eigentliche Grund, warum wir das Cottage gemietet haben. Direkt vor der Haustür zweimal täglich das Wasser teilen zu können, um dann vom „Festland“ auf die Insel gehen zu können, hat uns gereizt.
So marschieren wir – pünktlich wie wir Deutschen halt sind – 2 Stunden vor Low Water (so ist es empfohlen) los , Zeit haben wir bis 2 Stunden vor High Water, um trockenen Fußes von der Insel zurückzukommen.
Mitten im Watt treffen wir auf eine Herde freilaufender Kühe. Fragt man sich, was die im Watt verloren haben? Hier gibts kein Gras, hier gibts keinen Klee – sondern feuchte Füße und Salz. Aber vielleicht ist es ja genau das, was sie suchen.
Wir folgen erst der befestigten Straße, auf der die wenigen Einwohner in ihr Heim finden und laufen am Ende dieser auf die riesigen Wiesen voller Gänseblümchen – zumindest ist hier also Daisy sichtbar. Der Weg führt immer weiter an der Küste vorbei und ist atemberaubend schön. Auffällig ist die irre Anzahl an Schnecken mit Häuschen. Wir achten darauf, auf keine zu treten und ich hoffe, es ist gelungen. Schneller als gedacht sind wir einmal rumgelaufen und finden uns am Friedhof wieder, der genau gegenüber unserem Cottage auf der Insel liegt. Wir gehen gerne auf Friedhöfe, vor allen Dingen auf diesen mit den keltischen Ornamenten. Man liest die Grabinschriften und hat das Gefühl, einen Teil der Geschichte zu lesen. Ganze Familientragödien kann man darin wiederfinden.
Nun noch einmal durchs den Atlantik zurück auf die andere Seite und nach wunderbaren 8km sind wir zurück am Cottage. In der ganzen Zeit haben wir keine Menschenseele getroffen.
Die GPS-Daten sind hier:
Den Nachmittag nutzen wir für eine Fahrt nach Roundstone, einem Fischerort. Auch hier ist der Weg das Ziel – die Gegend ist unglaublich rauh und unwirklich. Irre, wie sich Menschen hier Plätze fürs Leben herausgearbeitet haben.
Begleitendes Buch: „So schnell wackelt kein Schaf mit demSchwanz“ von Ian Sansom. Es handelt sich um einen englischen Bibliothekar, der mit einem Bibliothekarbus in Irland unterwegs ist. Dieser wird zu Unrecht verdächtigt, an einem Raub und einer Entführung beteiligt zu sein und er sucht auf eigene Faust und mit dem Bus nach den wirklichen Tätern. Wenn man hier vor Ort ist, findet man sich in den beschriebenen Orten und den verschrobenen Gestalten ziemlich gut wieder.
Inisbofin Island und der Cloonamore Loop
Wir wollen auf Inisbofin Island, um dort eine kleine Wanderung zu machen. Eine Fähre fährt von Cleggan aus einmal am Tag hinüber und auch einmal zurück. Mit 11.30 Uhr Abfahrt ist das ja für uns schon ein recht später Aufbruch in den Tag.
Die (Personen)Fähre entpuppt sich als Nussschale, mit der wir bei Wind und Regen knapp 30 Minuten über den Atlantik schippern. Ich hab Spaß, ich mag Wellen und Wasser. Die Begeisterung teile ich nicht mit allen Passagieren.
Trotz vergessener Wanderkarte ist die Route schnell gefunden. Es ist ein Traum – von grünen Hügeln zu völlig kargen und unwirklichen Gegenden – vorbei an verfallenen Häusern, vorbei an netten Cottages. Es begleiten uns Esel und Schafe und der ein oder andere sagt uns kurz „Hallo“. 2 Stunden vor Abfahrt der Fähre sind wir zurück und lassen es uns im Beach Pub bei einem Pint und einem Imbiss gutgehen.
Die GPS-Daten zur Strecke sind hier:
So „usselig“ das Wetter am Morgen war, jetzt strahlt die Sonne vom Himmel und die Rückfahrt wird zwar nicht weniger schaukelig aber an der frischen Luft um so schöner. Noch ein paar Torfbrickets fürs abendliche Feuer ertstanden und ab gehts zum Cottage, um bei einem Whisky das Feuer und eine Partie Rommée zu genießen – ich hab schon wieder verloren. Verdammt.
Begleitendes Buch: „Nichts gegen Iren“ von Ralf Sotscheck – Psychogramm eines komischen Volkes. Liest sich sehr nett. Im Buch gibt es einen Inhaber eines Lebensmittelladens mit dem Namen Sweeney – so wie unser Lebensmittelladen hier vor Ort.
Killary Fjord
Auf der Suche nach (passenden) nachwanderfähigen GPS-Daten war ich in der Heimat nicht sonderlich erfolgreich. Aber den Killary Fjord hab ich auf gpsies gefunden und im Gästebuch des Cottages wurde auch hier eine Wanderung empfohlen. Man kann den einzigen Fjord von Irland auch mit dem Boot abfahren aber es gilt nur das, was wir selbst erlaufen haben.
Nach der lustigen Wegbeschreibung finden wir die Killary Sheep Farm und hinterlassen dort unser quietschrotes Auto seinem Schicksal und traben los. Die ersten 4 km geht es auf einem Fahrweg entlang also recht gemütlich, wenn da nicht der Wind wäre. Ok, der kommt jetzt im Moment von hinten aber wir müssen den Weg auch wieder zurück.
Nach 4km und dem Überklettern einer Steinmauer geht es dann den Klippen auf schmalen Trampelpfaden lang – Schafkacke wohin man nur schaut – Schafe natürlich auch. Als wir um die „Ecke“ gehen pfeift uns der heute echt stürmische Wind ordentlich ins Gesicht. Apropos Gesicht. Wir sind erst gegen Mittag los, was sehr vorteilhaft ist, da zu dem Zeitpunkt die Sonne hinter Wolken verschwand. Das ist schonend für den bereits gut gebräunten Teint und da der Wind recht warm ist auch angenehmer vom Klima her.
Wir sehen die ersten Gebäude des Hafens von Rosroe. Wären wir in einem Agentenfilm, wäre das jetzt der Schmugglerhafen. Dieser Eindruck ändert sich auch nicht, als wir tatsächlich den Klippen entstiegen sind. Meine kleine Hoffnung, dort ein Erfrischungsgetränk zu erhalten, entpuppt sich als unrealistisch. Ob und wer hier den Hafen noch nutzt und fischt, erschließt sich uns nicht. Aber es liegt noch Fischereizeugs herum – wenn auch recht unordentlich – also scheint es noch im Gebrauch zu sein. Es ist alles verkommen und verrottet nur an einem der wenigen Häuser lesen wir, dass der deutsche Philosoph Ludwig Wittgenstein mal für 4 Monate dort gewohnt und gearbeitet hat. Nun ja, vielleicht liegen wir mit der Schmugglerei ja gar nicht so verkehrt.
Wir folgen der Straße ortsauswärts, um dann über einen der Hügel zurück zu unserem Ursprungspfad zu kommen. Insgesamt sind es 13km und die Sonne leistet uns und unseren Gesichtern auf den letzten Kilometern neben dem Wind doch noch Gesellschaft.
Die GPS-Daten zur Tour sind hier:

Begleitendes Buch für heute: „Die redselige Insel“ von Hugo Hamilton. Hamilton ist Sohn eines irischen Vaters und einer deutschen Mutter und reist auf den Spuren von Heinrich Böll nach Irland und vor allen Dingen nach Achill Island, wo Böll gelebt hat. Vor diesem Buch sollte man Bölls Buch „Irisches Tagebuch“ lesen, dann ist es sicherlich noch netter. Im übrigen kommt im Buch ein Inhaber eines Lebensmittelladens mit dem Namen Sweeney vor. Scheinbar muss man Sweeney heißen, um einen Lebensmittelladen führen zu dürfen
Sky Road by car
Wir sitzen in der Guys Bar, hier gibts Wlan und wir suchen uns das nächste B&B für unsere Reise raus. Frank telefoniert mit der Kreditkartengesellschaft, die seine Karte sperrt, weil für 1.800 Euro bei A***on bestellt wurde, nur nicht von ihm. Wir trinken ein Bier und irgendwann bestellen wir uns auch etwas zu essen und hier nimmt das heutige Problem seinen Lauf. Getränke bestellt und bezahlt man direkt an der Bar. Das Essen hab ich auch an der Bar bestellt aber an den Tisch geliefert bekommen und eben nicht direkt bezahlt. Wir sind es nun so gewohnt, dass man nach dem Verzehr direkt aufstehen und gehen kann, dass wir das auch in der Guys Bar getan haben.
Ein Tag Wanderpause, wenn auch das Wetter anderes einfordert aber was muss, das muss. So fahren wir die Sky Road mit dem Auto ab und prüfen damit, ob sie als Wanderroute taugt. Der nicht ganz so auskunftsfreudigen Dame in der Tourist Information trauen wir nicht so ganz.
Mitten auf der Sky Road fällt mir dann ein, dass wir das Essen nicht bezahlt haben – mein Kopf wird direkt tomatenrot und ich kann die schöne Aussicht gar nicht genießen und bin erst wieder beruhigt, als ich die Zeche in der Bar bezahlt hab. Der Kellner, der im übrigen auch vorher nicht durch die Nutzung besonders vieler Worte auffiel, quittierte mein aufgeregtes „I forget to pay the snack.“ mit „Yes, you did.“ Kein Wort zu viel.
Abends dann Live-Musik in der J. Conneely’s Bar – hervorragend.
Sky Road zu Fuß
Es gibt nicht viel zu erzählen außer, dass es einfach furchtbar "heiß" war. So stapfen wir fröhlich (der eine mehr, der andere weniger) die 15km Sky Road ab - das Panorama ist herrlich.
Über 4km werden wir von einem Hund begleitet - aber irgendwann wurd es ihm wohl auch zu warm und er drehte um.
Die GPS-Daten sind hier:

Begleitendes Buch. "Die irische Meerjungfrau" von Carolin Römer. Nun ja... der Flop des Urlaubes. Die Zusammhänge im Krimi scheinen an den Haaren herbeigezogen zu sein. Einzig die Beschreibung des kleinen Ortes im Norden Irlands und der dort lebenden Personen gefallen.
Cliffs of Moher und Burren
Die Zeit im Cottage und damit in Connemara geht zu Ende. Wir bepacken unser feuerrotes Spielmobil und machen uns auf zu den Cliffs of Moher und vor durch den Burren.
Der Weg führt uns weiter durch den Burren. Eine solche Landschaft hatte ich in Irland nicht erwartet. Ich gebe zu, dass ich nicht super vorbereitet war sondern wir nach dem Cottage uns einfach haben Richtung Süden treiben lassen und von einem zum anderen Tag entschieden haben, wo wir bleiben oder weiter fahren.
Man hatte den Eindruck, irgendwo in den Bergen in Südeuropa zu sein aber seht selbst.
Freudig hüpfte ich auf meinem Sitz auf und ab als wir durch Ballyvaughan kamen und dort der Burren Marathon stattfand. Die Strecken des Marathon, die auf der Straße stattfanden, konnten nicht abgesperrt werden, weil es einfach die einzige Straße zu einigen Örtchen ist. So passierten wir längere Strecken mit Walkern und Läufern. Es war für irische Verhältnisse mit 26° irrsinnig warm und als ich sah, welche Strecken im kargen Gestein absolviert werden mussten, war ich noch mehr angetan. Schön wars...
Danach führt uns der Weg weiter nach Ennis. Wir hatten zweimal Glück. Zum einen fand in Ennis an dem Wochenende das jährliche Festival Fleadh Nua statt. Es treffen sich Musiker im Ort zusammen und in vielen Pubs finden jede Menge Sessions statt. Zwei besonders tolle durften wir erleben aber dazu später. Das Glück war uns zweimal hold, dass wir durch Zufall noch ein Zimmer in unserem Wunsch B&B Railway View Haus bekommen haben. Im Rahmen der Festivals ist eigentlich alles ausgebucht aber die Tochter hatte aus Versehen ne Doppelbuchung getätigt und wir waren die Profiteure des Fehlers.
Fleadh Nua in Ennis
Also ab in die Stadt. Wir gehen einfach den Ohren nach und im ersten kleinen Pub werden wir Zeuge von toller Musik und Menschen, die dieser anscheinend schon länger und in Begleitung von ziemlich viel Guiness beiwohnen.
Im zweiten Pub spielt eine ziemlich kleine Kombo und es neigt sich gerade dem Ende zu. Gott sei Dank "müssen" wir noch unser Harp austrinken (wir mögen Guiness nicht) und so erleben wir, wir die älteren Herrschaften auf den Fotos irische Lieder singen.. hach, datt geht ans Herz.
Es wird viel Musik in den irischen Pubs angeboten. Das ist aber eben häufig für Touristen "gebucht" und nicht so authentisch, wie wir es auf dem Festival erleben durfen.
Kurzer Abstecher zum Essen: Ich schreibe wenig übers Essen, was für mich ja eher ungewöhnlich ist. Das spricht für die Qualität, die wir erleben "durften". Ein Highlight hatten wir aber aus Versehen in Ennis. Wir waren im Kneipenrestaurant "The Market" und es gab ein leckeres Stir Fry für mich. Mal nichts, was mit Käse zugeklatscht war und es gab mehrere vegetarische Gerichte zur Auswahl - nicht wirklich die Norm in Irland. Die Bedienung fragte uns, woher wir kämen und berichtete uns, dass der Freund ihrer Schwester auch Deutscher sei. Und dann erklärte sie uns, dass gar nicht alle Deutschen so sauber wären, wie man immer sagen würde... Hä? Na gut... :-))))
Am nächsten Tag erlebten wir dann die Session schlechthin. Wir hatten uns früh genug (Deutsche halt) auf die richtigen Plätze geparkt und dann gings irgendwann mit 3-4 Musikern los. Irgendwann waren es mal 12. Musiker. Sie kamen und gingen. Als dann irgendwann ein weiterer Fidler (es waren dann schon 5) dazu kam, ging so richtig die Post ab. Der gute Mann beherrschte das mal so richtig. Naja, beschreiben kann man es eh nicht und das Video gibt es auch gar nicht richtig wieder. Auf jeden Fall sind wir nach 3 Stunden raus und waren erfüllt von Musik. Wie ne Flasche, in die nichts mehr reingeht. Es war einfach toll.
PS: Ich unterschlage nicht, dass es auch öffentliche Paraden mit Marschmusik gab - das war eher amüsant als schön... ist Rosamunde eigentlich ein deutsches Lied?
Killarney National Park
Killarney ist eines der beliebtesten Urlaubsorte in der Gegend und hat ne sehr hohe Dichte an hochklassigen Hotels und Restaurants. Das bedeutet nicht, dass er besonders schön ist - aber es liegt am Killarney National Park und hier wollten wir eben ein wenig Wandern.
Die Wanderung wird mir vor allen Dingen deshalb in Erinnerung bleiben, weil ich einen alten Mann in die falsche Richtung geschickt habe. Eigentlich wäre die Wanderung 15km lang gewesen - wir waren nur (und das war mir nicht ganz klar) 1,5km später gestartet. Nun war der Gute schon ne Weile ohne Karte und ohne Uhr unterwegs und wollte gerne schnellstmöglich zurück. Dass er gerade uns fragt, war halt sein Pech, oder? Auf jeden Fall war ich dann der Meinung, dass der Weg, den wir gegangen waren, für ihn kürzer sei - den Irrtum bemerkte ich dann erst, als unsere Wanderung beendet und eben nur 12km lang war... oh je... Ich hoffe, der hat nicht nen Bus verpasst oder sowas.
Die GPS-Daten sind hier:

Unser Gastgeber im B&B war sehr freundlich und bemüht, was aber nicht über den desolaten Zustandes des Hauses hinwegtäuschen konnte. Zusätzlich quälte er uns mit CDs von Tenören, die "Nights in White Satin" zum Besten gaben.... nix wie weg.
Begleitendes Buch: "Extrem laut und unglaublich nah" von Jonathan Safran Foer. Ein unglaublich nahegehendes Buch - wie ich finde. Ein Junge, dessen Vater am 11. September ums Leben gekommen ist, versucht das passende Schloss zu einem Schlüssel zu finden, den er in den Hinterlassenschaften seines Vaters auftut. Warum tut er das? Wer schreibt da noch in dem Buch und wie verquicken sich irgendwie die Geschichten in der Familie? Toll geschrieben, sehr beeindruckend.
Ring of Kerry
Der Ring of Kerry ist eine 180km lange Straße, die um den Land"finger" von Iveragh geht. Wir fuhren diese Strecke von Killarney bis nach Kenmare, wo wir das nächste B&B fix gemacht hatten.
Landschaftlich eine irre Strecke, die auch viele Bustouren herausfordert - abenteuerlich, wie schnell die Busse auf der doch teilweise sehr engen Straße fahren.
Wir schauen uns die "Drive in"-Attraktionen Ballycarbery Castle und das Cahergal Stone Fort an. Unsere Wanderung am Derrynane House fällt kürzer aus, weil wir den Weg nicht finden - zumindest gibt es mal wieder einen Friedhof zu bestaunen.
In Kenmare angekommen befinden wir das Städtchen für hübsch und bleiben einen Tag länger als geplant.
Kenmare und heather und togehter und wild mountain thyme
Wir bewandern bei leichtem Nieselregen die Gegend um Kenmare und finden uns auf der Tour mal wieder auf einem Friedhof wieder. Der Nebel gibt eine schöne Atmosphäre, die auf Bildern wohl nicht festzuhalten ist.
Am Abend können wir uns so lange am Harp festhalten, bis die versprochene (Touristen)musik anfängt. Der arme Mann mit Gitarre muss vor ein paar wenigen Leuten aus der (vornehmlich englischsprachigen Welt) sein Können zum Besten geben und mittlerweile singe ich Will you go Lassie go aus dem effeff mit.... blooming heather... wild mountain thyme.... Auch während der Wanderung plärre ich immer wieder was von heather und togehter und wild mountain thyme... jaja.. ich bin halt so gestrickt.
Von Kenmare nach Kinsale
Quietschend sitz ich mal wieder im Auto als ich lese, dass am ersten Freitag des Monats in Bantry ein Farmers Markt mit heimischen Produkten stattfindet. Es entspricht meinen Erwartungen. Leider kann ich nichts mitnehmen von den Dingen, die ich sehe - auch nicht den kleinen Hund, der in gute Hände abzugeben ist.
Wir machen einen Ausflug nach Baltimore, das wirklich hübsch mit seinen bunten Häuschen eine Pause hergibt.
Weiter geht es - meist an der Küste lang. Erst wird der Dromberg Stone Circle bewundert um danach in Timoleague die Timolegue Abbey zu bestaunen.
Zu sehen gibt es hier viel - es fehlt die Zeit. Wir müssen auf jeden Fall noch mal wiederkommen.
In Kinsale angekommen, empfängt uns eine sonnige, gut gelaunte Stadt, die sich gerade mit Menschen zum Bank Holiday-Wochenende füllt.
Unsere letzte kleine Wanderung zum Charles Fort führt uns aus Kinsale raus am Meer entlang.
Die GPS-Daten sind hier:
Es ist trüber und am Nachmittag setzt "endlich" mal richtig irisches Wetter ein. Wir sind zwar schon im sicheren B&B, müssen aber zum Abendessen noch mal vor die Tür. Auf dem Weg zur "Stolen Pizza" sind wir durchnässt. Es gibt uns noch mal einen Blick darauf, wie viel Glück wir mit dem Wetter hatten.
Begleitendes Buch: "Die unglaubliche Reise des Smithy Ide". Ein dicker Mann in den "besten Jahren" steigt nach dem Tod seiner Eltern aufs Rad, um quer durch Amerika zu radeln, damit er seine Schwester ein letztes sehen kann. Trotz all der Tragik ein oft humorvolles Buch aber auch eins, das nachdenklich stimmt.
Der Weg von Kinsale zurück zum Dubliner Flughafen hat auch noch mal ne Menger netter Eindrücke und Bilder ergeben aber die sollen dann beim nächsten Urlaub "dran glauben".
Sollte jemand alles durchgelesen haben, dann bedanke ich mich dafür sehr recht herzlich. Ich betone es gerne immer wieder - es ist mehr ein Festhalten für mich als für andere.
Hier dann noch ein paar Bilder mehr... uff: Klick
Sollte jemand alles durchgelesen haben, dann bedanke ich mich dafür sehr recht herzlich. Ich betone es gerne immer wieder - es ist mehr ein Festhalten für mich als für andere.
Hier dann noch ein paar Bilder mehr... uff: Klick




















Erst einmal muss ich sagen auf dem Diamond Hill gabs keine Diamanten. Alles nur beschiss.Zweitens haben sich die Guinness trinkenden Landvermesser hundertprozentig bei der Höhe um gut zweihundert Meter verschätzt.Das waren gefühlte sechshundertfünfzig Meter, aber locker... Die Aussicht war allerdings wirklich toll.
AntwortenLöschenerstmal nur schnell die Bilder überflogen, nehme ich sie einfach mit ins Büro - so innerlich .. und komme heute abend nochmal vorbei: bisschen weiterschmachten.
AntwortenLöschen3 Wochen! :-O Das lohnt ja erholungsmäßig schon richtig und bringt vermutlich was.
Ich sag auch einfach mal nur "herrlich". Ich kenne ja vieles von dem, was du da beschreibst, und schwelge in Irland-Erinnerungen.... hach, es ist schon viel zu lange her. Schade, dass euch Dublin nicht so wirklich überzeugt hat, ich liebe diese Stadt - aber das ist eine sehr subjektive Liebe ;-), ich hab halt mal drei Monate dort gearbeitet. Wobei der Westen natürlich auch ganz besonders herrlich ist. Ach schön, dass ihr so eine schöne Zeit hattet - und so tolles Wetter, denn das ist echt nicht selbstverständlich!
AntwortenLöschenHerr Anonym;-) Du hast nur nicht richtig geschaut, glaube ich.
AntwortenLöschen@Lizzy, ja 3 Wochen sind perfekt für die Erholung. Ich versuche das tatsächlich immer so einzurichten.
@Hase, ja irgendwie hat uns Dublin nicht erreicht. Vielleicht ist auch Edinburgh so übermächtig im Kopf und da hat Dublin keine Chance. Macht aber nix, Rest war toll. Wann kommt Dein Portugal-Bericht? :-)
Ja, klar, Edinburgh ist natürlich gigantisch. Ich glaube, ich mag Dublin auch deswegen so gerne, weil es irgendwie so "normal" ist.... weiss nicht, ist halt subjektiv.
AntwortenLöschenPortugal-Bericht gibts keinen, die Fotos auf Facebook müssen reichen ;-)