Donnerstag, 2. Juni 2011

Scotland

Tag 1 – Edinburgh, Pubs und Nussburger


Ich bin ein schlechter Mensch und damit befinde ich mich in bester Gesellschaft. Ich lese gerade auf’m Flug das IBook „Ein Traum von einem Schiff“ von Christoph Maria Herbst. Ich mag ihn als Schauspieler, ich mag seine Weltanschauung und zu meinem Leidwesen (oder das meiner Mitmenschen) muss ich eingestehen, dass ich auch wohl etwas von seinem bösen Humor mag. Wie ist es ansonsten zu erklären, dass ich in Edinburgh angekommen, vornehmlich Menschen wahrnehme als die schöne Stadt.

Es ist warm, nein, es ist heiß und der gemeine Schotte (und da unterscheidet er sich leider nicht vom Engländer) entblättert sich der meisten seiner Kleidung, ob sie/er es jetzt schön anzusehen ist oder nicht. Menschen, die durch die Sonne gequält eigentlich in Spezialkliniken für Brandopfer gehören, tragen diese Brand-Merkmale mit Stolz und zu engen Tops und Röcken vor sich her. Es ist scheinbar auch hier ein Brückentag und so wimmelt die Stadt von Jungesell/innenabschieden und Hochzeitsgesellschaften. Die einen albern verkleidet (vornehmlich pink bei den Damen) und die anderen in zu engen Kleidern, mit zu viel Schminke und in zu hohen Schuhen, in denen sie nicht gehen können durch die Stadt und treffen auf gröhlende Jungs (zumindest meist kernig in Schottenröcken). Ich meine, das Ding zwischen Männern und Frauen funktioniert doch so, dass die einen sich schmücken, um den anderen zu gefallen. Aber wie um alles in der Welt vermehren sich die Briten? Ich kann kaum glauben, dass es jemandem gefällt, wenn eine Frau mit Konfektionsgröße 42 in einem rosa Kleid gepresst (Größe 38) auf zu hohen Schuhen rumstakst – genau so wenig wie die Typen in Jogginghosen (und die sind eindeutig nicht angezogen worden, um Sport zumachen), deren Oberkörper leider ohne Bekleidung auskommen muss – so mitten in der Edinburgher Altstadt. Hach ja…ich kann ja nicht sagen, dass wir nicht unseren Spaß hatten. Wir wollten eh nur ein wenig rumlaufen, wir kommen ja wieder. Lästern kann ja schon Spaß machen…. Ja, wir sind schlechte Menschen.

Um hier endlich mal die Urlaubsattidüten einläuten zu lassen. Wir haben einen sehr leckeren Snack in Form von Suppen (klar, was isst man auch bei 28° im Schatten) im „Always Sunday“ und das Abendessen wurde im Black Bo’s eingenommen. Zugegebenermaßen hatten wir schon besser vegan/vegetarisch in Edinburgh gegessen aber schlecht wars auch nicht. Das Gleiche gilt für die Kultur der Stadt… es war nur ein Übernachtungsbesuch zur Weiterfahrt in die Highlands – genauer gesagt nach Isle auf Skye ans Ende der Welt. Wir kommen wieder und dann gibt’s auch Kultur.

Ich hatte meinen Forerunner mal spaßeshalber angemacht, weil man die Strecken in Städten ja gerne unterschätzt. Dummerweise hat das Teil eine Macke und ich dachte schon, ich hätte es im Griff. Auf jeden Fall geht es immer mal wieder zwischendurch aus – so auch auf der Tour und irgendwann hab ich entnervt aufgegeben.

Tag 2 – Auto fahren, Dudelsack und Quionasalat

Um 9.00 Uhr sitzen wir im Auto – wir werden uns noch freuen, dass wir so früh los sind. Noch kurz bei Marks & Spencer vorbei, so viel Zeit muss sein. Picknick für die Mittagspause, es ist uns eine Freude.

Wir fahren durch wunderschöne Gegenden und ich werde nicht viel berichten und es gibt auch nicht viele Fotos. Warum? Wir hatten keine Zeit. Wir haben für die 420 km knapp 9 Stunden gebraucht, inkl. Marks & Spencer, Kaffee- und Mittagspause. Es ist Samstag und auch die Schotten scheinen alle unterwegs zu sein und ein Überholen auf den engen Landstraßen ist nicht möglich.

Kaffee gibt es in Crienlarich und die Stimmung in diesem Café/Restaurant ist ziemlich obskur. Ausgestattet mit jede Menge ausgestopfter Tiere mutet es ein bisschen an, wie ein in die Jahre gekommenes Ausflugslokal im Siebengebirge. Die Kellner sind scheinbar im Zeitloch stehen geblieben – also jung – aber vom Verhalten her (oder macht das einfach die Stimmung der Räumlichkeiten) sicherlich aus der guten alten Zeit.

Am Loch Tulla halten wir an, um endlich unser M&S-Picknick zu genießen. Während wir im Auto sitzen (es war doch recht zugig draußen), wundere ich mich, dass unsere vom IPod kommende schottische Musik durch ähnliche Klänge gequert wird. Steht da doch tatsächlich mitten auf dem Hügel ein Musiker. Klar, der bekommt mal was für den Einsatz in den Hut und dafür darf ich auch ein Foto machen.

Die Landschaften, die wir durchfahren, sind einfach wunderschön aber wir sehen einfach den Zeitticker, der uns etwas hetzt. Also Empfehlung an Nachmacher: Nur die halbe Strecke fahren und die in Ruhe.

Gegen 18.00 Uhr treffen wir in Milovaig – oder auch Ende der Welt genannt – ein und erkennen lt. den Bildern direkt unser Cottage. Das ist jetzt keine besonders navigatorische Meisterleistung. Upper und Lower Milovaig sind halt einfach ein paar Häuser. Schlüssel gefunden, aufgeschlossen, lieb gewonnen. Ok, an der Grundsauberkeit dürfen wir noch arbeiten. Man sollte sich als Vermieter nicht darauf verlassen, wie die letzten Gäste das Haus verlassen sondern noch mal nachlegen. Der Arbeit bin ich dann nachgekommen, zu Abend gekocht und Urlaub begonnen. Ich musste recht lang aufbleiben, um einen teilweisen Sonnenuntergang sehen zu können. Ich bettel meinen Freund an, ob ich ein Lamm mit nach Hause nehmen darf – davon wimmelt es hier. Ich stoße nicht auf Begeisterung.

Mal schauen, was Milovaig uns da die Woche noch zu bieten hat.


Tag 3 – Schafe, Moor und Kartoffelsalat

Lektion 1: Ein Wanderweg ist nicht automatisch ein Laufweg.

In Vorbereitung der Reise wurden von mir diverse Wander-/Laufstrecken auf meinen Forerunner geladen. Ich meine, wofür hat man so ein Ding. Also starte ich mit der ersten Laufstrecke, die am gleichen Tag auch die Wanderstrecke werden soll. Was soll ich sagen? Nach 2km war Schicht im Schacht bzw. Moor im Schuh. Es war keine Wanderstrecke ersichtlich und zum Laufen ist Hochmoor wohl auch nicht wirklich geeignet. Aber dazu später mehr.

Ich kehre also um und erkunde ansonsten die kleinen Straßen in der Gegend und sammel mir meine 11km zusammen (geschätzt, weil zwischendurch der FR mal wieder zickte und ständig ausging). Ich treffe auf eine große Anzahl von Mutterschafen mit Lämmern. Teilweise haben die schwarze Kniestrümpfe an und ich bin total verliebt. Ich will ein Schaf mit nach Hause nehmen, erwähnte ich wohl schon.

Das Schöne an der Wanderstrecke, die keine Laufstrecke ist, ist, dass sie direkt am Cottage vorbeiführt. Also Rucksack gepackt und auf den Weg gemacht. Nach den ersten 4-5 km stellen wir fest, als wir die befestigte Straße verlassen, dass meine frühmorgendliche Erfahrung Programm werden wird. Irgendwie quer durch die Heide, ziemlich morastig und ohne erkennbaren Weg. Wir orientieren uns an meinem FR, dessen Fehler sich mittlerweile gezeigt hat. Die komplette Vorderseite löst sich und damit auch die Kontakte – ha Fehler erkannt, Fehler gebannt. Den Rest der Strecke drücke ich mir die Finger platt, damit das Ding nicht wieder aufgeht. Aber zumindest weiß ich jetzt, dass wir die Navigation noch nutzen und vor allen Dingen auch gebrauchen können.

Nach 12 nicht unanstrengenden und wunderschönen Kilometern entlang der Steilküste (es kostet Kraft, die Füße aus dem Sumpf zu ziehen), sind wir wieder im Cottage angelangt. Kartoffelsalat juhu… gesamt hab ich dann mal 23 Kilometern mit ungewohnten Höhenmetern in den Knochen und genau so fällt auch mein Nachmittagsschlaf aus.


Tag 4 – Kühe, Schafe und Reissalat

Es hat geregnet, die ganze Nacht. Schottland halt. Und als ich um 6.00 Uhr das Panoramafenster mit dem ersten Kaffee anbete, erscheint eine Kuhherde vor dem Fenster. Langsam kommen sie den Hügel herunter, die Leitkuh bestimmt den Weg – ok, sie versucht es zumindest. Eine Herde von Kühen, Kälbern und einem Bullen, so wie es sich gehört. Wir beobachten sie mind. 1-2 Stunden vor unserer Haustür.

Wir fahren Richtung Gillen und starten dort eine kleine, wenn nicht minder morastige Wanderung. Mittlerweile sind wir es ja gewohnt, bis zum Knöchel im Schlamm zu versinken. Hände tun das im Übrigen auch, wenn man hinfällt und sich abstützt. Am Auto angekommen wird der Reissalat gepicknickt, nur damit es hier Erwähnung findet.

In Portree – der größten Stadt mit 1.200 Einwohnern der Insel Isle of Skye – werden noch Lebensmittel nachgelagert und die Stadt besichtigt. Ok, damit ist man schnell fertig und es gibt im Café Arriba sogar Sojamilch für mich und Baglava. Lecka!

Hier mal ein erstes Bild aus unserem Cottage. Ich hab immer noch kein Schaf.


Tag 5 – Craftmarket, roter Tee unter rotem Dach und Bohnensalat

Dienstags ist Handwerkermarkt im Ort. Nur zur Erinnerung: Wir sind am Ende der Welt. Der Markt findet in der Community Hall statt, was an sich schon ziemlich interessant ist, weil die Community hier ziemlich klein ist (vielleicht 50 Leute, wenn es hoch kommt) und scheinbar auch veraltet ist, wie das Schild zeigt. Apropos, ich bin sicher, mit dem Aufstellen eines solchen Schildes würde man in Deutschland sofort mind. mal wegen Diskriminierung in U-Haft genommen.

Bild 2 ist die hiesige Grocerie und beim Betreten das Laden geht bei mir direkt das Kopfkino los, wie es sich wohl in so einem Laden lebt und arbeitet. Tante Emma auf schottisch aber mit Computer, so dass der Dorftratsch wahrscheinlich nicht nur in Mund-zu-Mund-Propaganda seinen Weg nimmt sondern im Zweifel auch über Twitter und Facebook.

Einen Tee im Red Roof Café und der Rest des Tages wird lesend und mit ordentlich Feuer im Kamin im Cottage verbracht. Mittlerweile ist Frank der Held des Holz schlagens und ich kann die Scheite so geschickt stapeln, dass es im Kamin aussieht wie beim Jenga-Spiel.


Tag 6 – Schloß Dunvegan, übermütige Hunde und Rote-Bete-Risotto

Was zum Thema Laufen: Meine Lungen schreien mich ständig an, ich soll mal halb lang machen und versagen mir kurzzeitig den Dienst. Japsend aber glücklich stehe ich dann an irgendeinem Hang, den ich mal wieder vergeblich versucht hab, zu erlaufen. Ich bins halt nicht gewohnt aber es macht Spaß – zumindest mir, nicht meinem Knie und nicht meiner Lunge.

Die erste Fotoreihe stammt also von meinem 7km heute früh. Auf den Ohren schottische Musik (nachdem ich gelernt hab, dass so früh noch kein Auto unterwegs ist, kann ich mich das trauen) knipse ich mehr als dass ich laufe. Ach, watt schön und guckt mal die süßen Lämmchen!!


Dunvegan Castle Innen und Außen – eine kleine Wanderung und zu unserer Freude ein alter Friedhof, auf dem auch einige der McLeods ihr Ruhe gefunden haben, die zum Schloßclan gehören.

Wie gut war die Überlegung, auch bei der kurzen Strecke auf Wanderschuhe auszuweichen, versinken wir mal wieder ordentlich im Schlamm. Das gilt auch für die zwei Hunde, die vor lauter Freude, uns zu begegnen, erstmal an uns hochgesprungen sind. Ja, wir haben ne Waschmaschine im Cottage.

Abends mal nicht kochen sondern das einzige Mal in dieser Woche in ein Restaurant (so ganz viel hat man hier auch nicht in der Nähe). Wir wollten wir uns das Three Chimneys nicht entgehen lassen, genießt es doch einen besonders guten Ruf. Leider war unsere Reservierung und damit auch meine vegane Vorbestellung futsch. Man hat professionell reagiert und ich hab auch was Nettes zu essen bekommen. Ich bin sicher, dass die das aber noch herausragender mit entsprechender Vorbereitung gekonnt hätten. Aber Risotto mit Roter Bete muss ich zu Hause auch mal nachmachen.


Tag 7 – Waternish Point, Wind und Tomaten-Foccacia

Nicht von den Bildern täuschen lassen – Kleidung und blauer Himmel scheinen nicht zu passen, tun sie aber. Wir starten unsere Wanderung zum Waternish Point mitten im schönen schottischen Regen. Es ist kalt, 9°C, und dazu ein ziemlich deftiger Wind. Auch wenn wir aussehen, als ob wir uns zur Nordpol-Wanderung aufmachen wollen, es war genau richtig.

Das Schönste an Wanderungen sind Überraschungen – so haben wir uns (ich kann ja auch nicht immer auf den FR starren) leicht verlaufen und hatten auf einmal dieses wunderbare verfallene Haus im Blick. Mal schauen, ob wir im www fündig werden, was es damit auf sich hat - evtl. ein Überbleibsel der Clearances. Das Haus ist für hiesige Verhältnisse recht groß und man konnte noch Reste von anderen Behausungen erkennen. Wunderschön, sag ich nur – dagegen war der Leuchtturm weniger spektakulär, nicht aber die Aussicht. Zumindest diente der Leuchtturm etwas als Windschutz, damit uns Banane und Apfel nicht gleich aus der Hand gefegt wurden.

Nach gut 4 Stunden gegen den Wind und immer wieder umhüpfen/klettern/springen von Wasserlöchern hätte ich ein halbes Schwein auf Toast essen können, natürlich nur sinnbildlich. In Portree gab es Foccacia mit Tomate für mich. Ich hab dann noch mal ein paar Schafe fotografiert.


Tag 8 – Neist Point, Red Roof Café und Lentil Soup

Der letzte Lauf hier am Cottage, bevor es auf und weiter in den Norden geht. Hierzu sei mal gesagt, dass es mir echt Spaß macht gegen „Berge“, Wind und Wetter zu laufen. Es ist aber etwas ganz anderes, wie das gleichmäßige ebene, fast meditative Laufen bei mir zu Hause. Hier lauert ja hinter jeder Wegbiegung entweder eine Steigung, ein Regenguss oder ein heftiger Windstoß. Da ist Schluss mit lockerem rumgejogge, da wird „gekämpft“. Ich hoffe, das zahlt sich zu Hause ein wenig in Fitness aus.


Tja, was soll ich sagen – nun bin ich auch hier als Vielfraß bekannt. Ich sei die erste Kundin, die sich am gleichen Tag zweimal ne Portion Suppe hintereinander bestellt, sagt man mir im Red Roof Café. Ja watt denn? Warum schmeckt die denn auch so gut… aber erstmal zur Wanderung bzw. dem Spaziergang: Neist Point, ein Leuchtturm, liegt im Prinzip vor der Haustür. Fotografiert wurde er bereits auf der ersten Wandertour aber nicht von Nahem angeschaut – das steht heute als Pflicht auf dem Programm. Die Kür ist dann später das Café… aber vor dem Essen steht ja erstmal die körperliche Anstrengung. Auch hier täuscht der blaue Himmel Wärme vor – wäre da nicht der eiskalte Wind. Also Mütze auf (wohl dem, der eine im Gepäck hat – ich nicht) und ab geht’s.


Last but not least ein paar Impressionen aus bzw. ums Cottage. Die ganze Woche hatte ich das Gefühl, dass ich ständig aus dem Fenster schauen muss, so eine Aussicht ist einem nun mal nicht jeden Tag vergönnt.

Hier der Wechsel des Wetters aus Cottage-Sicht:


Und noch das Panorama vor dem Cottage. Man darf sagen, dass uns diese Straßenkreuzung doch viel Freude gemacht hat. Der Bus kommt morgens um 8.10 Uhr – oben an der Haltestelle steigt ein junges Mädchen ein, unten ein Mann mit Rucksack. Die Rückfahrt ist gegen 16.30 Uhr. Zeitgleich mit dem Bus kommt der Postwagen morgens an und entleert den Briefkasten vor dem Haus. Jedes zweite Auto verpasst die Auffahrt zum Neist Point und ansonsten kommen hier mehr Schafe und Kühe vorbei als Autos. Sehr entspannend. Das gibt mal den Tagesablauf der Kreuzung wieder.


Und hier das Cottage an sich:


Wir haben uns hier sehr wohl gefühlt, unsere Fähigkeiten im Holz hacken und Ofen anzünden vertieft und wenn wir im Haus waren, viel gelesen. Der vorhandene Fernseher wurde nur ab und zu zur Musikuntermalung genutzt aber das auch eher selten. Ich hab die Stille mehr als genossen, genauso wie die Tatsache, dass man hier weder mobilen Telefonempfang hatte noch irgendeinen Anschluß ans weltweite Netz. Urlaub halt. Und jetzt gehts ab in den Norden.... noch weiter in den Norden.

Tag 9 – Shieldaig, Ullapool und Veggie-Burger

Zu Beschreiben ist es ja nicht, wenn man Kilometer um Kilometer an großen Rhododendron- und Azaleenbüschen verbei fährt - man muss es einfach in sich aufsaugen und in Erinnerung behalten. Dazwischen dann wieder Sumpf- und Heide und Berge und Täler und enge Straßen. Mehr mag ich nicht beschreiben.

Wir waren lange unterwegs, bis wir die gut 200km bis nach Ullapool gefahren sind.


Es regnete in Strömen und so blieb uns ja gar keine andere Wahl, als im nächstbesten Pub ein Lager zu trinken.


Tag 10 – Achiltibuie, Durness und Blackfriars-Riegel

Laufen in Ullapool - 12km - und die Sonne ist über Nacht wiedergekommen.



Es ist Sonntag, der Supermarkt hat zwar geöffnet aber nicht viel für mich im Angebot - da entdecken wir Riegel "suitable vor vegans". Welch Glück. Mit der Sonne vor der Linse und den aufziehenden Wolken im Nacken verabschieden wir uns von Ullapool. Eine langsam zu befahrende Straße Richtung Achiltibuie soll unser Weg werden und trotzdem dass unser Zielpunkt uninteressant war (irgendein in die Jahr gekommenes und damit geschlossenes Hydroponicum), war es doch eine verdammt schöne Strecke. Und bis man die Higland Rinder mal Richtung vor der Linse hat, vergeht Zeit.



In Durness war eigentlich nur eine Kaffeepause geplant und wir kommen spontan zu einer kleinen schönen Wanderung vom Zentrum zum kleinen Künstlerdorf und über einen alten Fahrweg durch Unmengen von Schafkacke zurück zum Auto.


Einsam geht es weiter, Steilküste, Single-Track-Roads und nix.... bis auf einmal eine rote Telefonzelle in der Gegend steht (s.o.). Ok, es gab dort 2 Häuser oder 3 vielleicht. Aber es war bizarr und natürlich auf dem Foto nicht festzuhalten.

Das Highlight des Tages und der Reise aber wartet in Talmine... irgendwo am nördlichen Ende der Welt. Dort haben sich Ende der 70er Jahre ein Ehepaar eine alte Kirche gekauft um zu ihrer Rente sich dort niederzulassen.

Schnell stellten sie fest, dass sie (geborene Schotten aber 30 Jahre in Australien gelebt) dort vereinsamen, da die Einwohner zwar nett aber (außer im Pub) nicht so gesellig sind, wie die Australier und für Barbeques herrscht auch das falsche Wetter. Also wurde nicht lange gefackelt und im Nebengebäude 3 wunderschöne Zimmer zum B&B eingerichtet - damit man nicht vereinsamt. Dies ist nun 20 Jahre her und die beiden extrem rüstigen Rentner betreiben das Cloisters mit viel Liebe. Wer nur drüber nachdenkt, in den Norden zu fahrsten, MUSS dort mind. für eine Nacht einkehren.

Gefrühstückt wurde im Wohnhaus, also der alten Kirche und dort, kurz bevor man von der Scheibe fällt, gab es das beste vegane Frühstück der Reise. Leider ist mein Fotoapparat einen Tag später abhanden gekommen, so dass ich das nicht bildlich zeigen kann - es gab vegane Würstchen, Kartoffelpuffer, selbst gekochte Kichererbsen in Tomaten (das muss man hier erwähnen, die Bohnen in Tomatensauce werden ja meist von Herrn Heinz zubereitet), gebratene Pilze und Tomaten sowie Erdnussbutter (natürlich bio). Das es Sojamilch noch dazu gab, brauche ich nicht erwähnen, oder? keine Ahnung, wo sie das Zeugs herbekommen hat. Das Ganze serviert auf feinstem Porzellan und Besteck sowie Butter- und Salzdosen aus echtem Silber - umgeben von schönsten Antiquitäten... nochmal, das alles in einer alten Kirche. Hach.... es war so schön und Bob und Audrey Morrison einfach zum Knutschen.


Tag 11 – Regen, Castle of Mey und keine Bilder :-))

Das Castle of Mey  ist das Schloß der Queen Mum - also eigentlich wohnte sie hier nur kurze Zeit im Sommer. Trotzdem ließ man es sich nicht nehmen, viele Kleidungsstücke und allerlei Kleinigkeiten der Dame zu zeigen. Es war interessant und bei dem Regenwetter auch absolut das Richtige. Dass ich irgendwann beim Ein-/Aussteigen in der Hektik meine Kamera verloren hab, ist recht schade.

Ansonsten bleibt zu erwähnen, dass man in Schottland nicht zwingend ein 2-Sterne-Hotel buchen sollte.


Tag 12 - Duncansby Head, Grantown on Spey und Bohnensalat

Und wieder scheint die Sonne. Wir haben unglaubliches Glück mit dem Wetter, muss hier mal erwähnt sein.

Kurz auf der Suche nach der Kamera noch "Omas" Castle ohne Regen geknipst (also nicht ich - ab jetzt folgen Bilder von meinem Besten) und ab nach Grantown on Spey. Weg aus dem wenig besiedelten und sehr armen Norden.

Unterwegs das obligatorische Picknick mit Bohnensalat - ich liebe das englische FastFood (teilweise).

Ohne Fotos geblieben ist auch die kurze (6km) Wanderung zum nordöstlichsten Punkt von Britannien, dem Duncansby Head. Das Ziel Grantown on Spey lädt uns zum wunderschönen Abendspaziergang durch die Stadt ein mit anschließendem leckeren Curry eingetüddelt von Dudelsackmusik.


Tag 13 - White Bridge, Braemar und Sandwich ohne Ausblick

In einigen B&Bs lassen einen die Gastgeber an einem Tisch mit den anderen Gästen sitzen. Das finde ich wunderbar, da man ins Gespräch kommt. Wären wir nicht, hätten wir die schöne Wanderung an der White Bridge nicht gemacht und vor allen Dingen wären wir nicht durch die Berge gefahren sondern hätten die schnellere Route gewählt. Aber sprechenden Menschen kann geholfen werden und ich schicke eine Dankeschön übers Netz an das unbekannte nette Paar aus Südengland.

Am frühen Nachmittag sind wir in Braemar und möchten uns einen Snack und einen Kaffee gönnen. Old Bakery hört sich ja erstmal gut an. Jetzt - Tage später - versuche ich noch, die Bilder aus meinem Kopf zu bekommen. Uihh.... warum sind wir nicht direkt aufgestanden und geflüchtet? Egal, wir haben es überlebt aber wer auch immer da lang kommt, bitte NICHT die Old Bakery aufsuchen. Auf Details will ich nicht eingehen... wie gesagt, ich will die Bilder aus dem Kopf bekommen.

Das geht prima, wenn man abends in Edinburgh angekommen, ins David Bann geht. Das beste vegetarische Restaurant direkt auf gleicher Augenhöhe mit meinem Lieblingsrestaurant in München. Zugegebenermassen ist das David Bann nicht günstig aber vom Ambiente und vom Essen her auch deutlich besser als die meisten vegetarischen Restaurants. Als Nachspeise hatte ich Filo basket of warm orange caramel fruit with coconut rum sorbet. Es war ein Traum und ich hab Frank auf Knien gedankt, dass er noch ein Dessert bestellt hat, sonst hätte ich nach Vor- (Thai fritter of spiced broccoli and smoked tofu) und Hauptspeise (Dosa with spicy potato, mushroom and chickpea) aufgegeben.


Tag 14 - Edinburgh, Henderson's und Live in Movement


Der letzte Tag ist ein Tag für die Stadtbesichtigung. Eigentlich wollten wir mind. in ein Museum aber manchmal kommt es eben anders. Wir lassen uns durch die Stadt gleiten - Stunden über Stunden laufen wir durch die Straßen, setzen uns ins Pub und lassen alles wirken und uns einnehmen. Meinen FR hab ich ja Dank Klebeband einigermaßen im Griff - 16km werden es. Gestärkt werden wir - wie am ersten Tag - im Always Sunday. Erbsensuppe mit Minze. Bevor unser schon vorgebuchter Abendevent wartet, gehts ins Henderson's, das wohl älteste vegetarische Restaurant in Edinburgh. Preiswert und lecker, dafür Selbstbedienung aber Musikuntermalung (Jazz). Der ein oder andere Besucher war schon bei der Gründung anwesend, ich bin sicher - es war auf jeden Fall ein sehr interessantes buntes Publikum.


Da in Edinburgh am Tag vorher ein Filmfestival gestartet ist, gabs für uns Karten für den Film Live in Movement. Es ist eine Dokumentation über eine Tänzerin und Produktionerin, die mit 29 Jahren durch einen Unfall ums Leben kam. Eine sehr berührende und schöne Darstellung dieser Frau und ihres Schaffens.

 

Dem nächsten Tag gehört der Rückflug inkl. einer Truppe trinkender Schotten im Flugzeug. Ich bin unsicher, ob der "Bräutigam" wusste, was er tat, als er im hautengen und hautfarbenen Ganzkörperkondom mit rosa Schläppchen und rose String in Köln am Flughafen ausstieg. Die Zollbeamten konnten sich bei der Paßkontrolle auf jeden Fall schon nicht mehr konzentrieren

Das war Schottland 2011 und Bilder als Diashow gibts hier. Klick