Freitag, 17. September 2010

Calgary - Vancouver - Vancouver Island

+++ 17.09.2010 +++

Ich bin wieder viel zu früh wach. Klamotten sind sortiert und müssen nur noch gepackt werden. Ich freue mich so auf 3 Wochen Freunde treffen, Natur erleben und frische Luft atmen. 3 Wochen kein Blackberry, das mich hektisch anblinkt und 3 Wochen kein Telefon. Urlaub nennt sich das wohl. Ja, es geht auf nach Canada, meinem/unserem Lieblingsreiseziel.

+++ 17.09.2010 +++

Ankunft in Calgary. Wir haben 8 Stunden Zeit gewonnen. Abendessen in The Coup - einem vegetarischen Restaurant. Die Wartezeit von einer Stunde auf einen Platz hilft dabei, nicht zu früh ins Bett zu kommen, um den Jetlag zu besiegen.

+++ 18.09.2010 +++

Calgary weckt uns mit Nebel und verwöhnt uns später mit Sonne. Das Hotel "verwöhnt" uns mit Plastikbesteck, Pappbechern und Papptellern. ;-) Wir laufen durch die Stadt, fotografieren, trinken Kaffee und freuen uns - besonders als wir in einem kleinen Einkaufszentrum eine Gruppe Asiaten sehen, die in aller Ruhe ihre Tai-Chi-Übungen ausführen.

Dann der Nachmittag - Abfahrt Richtung Alhambra, Abfahrt Richtung Carmen und Family - meiner Freundin, die vor mittlerweile vielen Jahren ausgewandert ist.

Wir kommen an, wir quatschen, wir essen, wir trinken Hugo. ;-) Und wie immer ist es so, als ob wir uns gestern noch gesehen hätten.

+++ 19.09.2010  +++

Es regnet, egal, der Kamin geht an und wir machen uns einen gemütlichen Tag auf der Farm, was bedeutet, dass die Kinder uns über Stock und Stein bzw. Zäune kletternd schleppen, um uns ihre Tiere zu zeigen. Watt'n Spaß.

Wir kochen, wir essen, wir trinken - ich tanze mit den Kindern auf Karnevalsmusik durchs Blockhaus. Skurril und spaßig und einfach schön.


+++ 20.09.2010 +++

Abschied und auf Richtung Vancouver. Ankommen, Wohnmobil übernehmen, einkaufen, Campground suchen, zum ersten mal Einparken (puh, geschafft) und ab zum Abendessen zu Nikos und Marion - schon 6 Jahre nicht mehr gesehen - die Kinder sind groß. Wieder ein schöner Abend.

+++ 21.09.2010 +++

Wir schauen uns Nikos neue Pastry-Firma an, wir schaffen einen gemeinsamen Lunch und dann rüber zu Granville Island, seinem Public Market und der atemberaubenden Atmosphäre. Ich könnte Stunden dort einfach sitzen, auf die Skyline von Vancouver schauen und es mir gut gehen lassen. Downtown schaffen wir nicht - wir treffen uns mit Pat - 10 Jahre nicht gesehen - im Pub. Und wieder: Wunderbarer Abend.


+++ 22.09.2010 +++

Abfahrt Richtung Fähre und Vancouver Island, dem eigentlichen Ziel. Die Sonne scheint und ich platze fast vor Glück, so schön ist es, über den Ozean an den Inseln vorbei rüber zu schippern. Die Stadt wird erlaufen und wieder bestaunt. In 6 Jahren hat sich doch wieder einiges verändert und manches ist doch geblieben. Ein Traum, hier ist mein Platz, genau hier.



+++ 23.09.2010 +++

Regen? Nicht gebucht. Wir erwischen genau die Regenlücke und machen einen wunderbaren Spaziergang entlang am Meer durch den Wald im East Sooke Park. Jetzt ist Waschtag.


+++ 24.09.2010 +++

Wir haben was zu erledigen. Noch ein paar Dinge zu tun, Einkäufe erledigen usw. Und am Nachmittag geht es auf Richtung Duncan.


+++ 25.09.2010 +++

Salt Spring Island - bitte bei einem Besuch auf Vancouver Island nicht einfach vorbei fahren. Es ist zu schade. Am besten an einem Samstag ablegen, wenn dort der Markt stattfindet. Künstler und Farmer bieten ihre selbstgemachten Dinge an, die meisten davon hübsch oder lecker. Ich erlege eine Handtasche, genäht aus einem alten Jacket. Sieht chick aus und ist Recycling - das gefällt. Die glutenfreien und veganen Cakes lasse ich stehen. Ich zweifle etwas an den hygienischen Verhältnissen. ;-)

Unkompliziert bekomme ich in einem "normalen" Café (Bruce's Café) wieder ein veganes Gericht, sogar mit Räuchertofu. Juhu.... Bruce legt Wert darauf, die Produkte der Insel zu verarbeiten und kocht deswegen das, was ihm die Farmer so gerade bringen. Ich liebe Bruce, wenn er nicht so "kräftig" wäre, hätt ich ihn umarmt!!!

Neben dem Markt werden die Produkte der Farmer oder Hobbyköche an der Straße verkauft. Man schmeißt das Geld ein und holt sich, was man sich damit erkauft hat, einfach selbst raus. Wunderbar.

Man kann gar nicht so schnell genießen, wie es schön ist. Eine Wanderung durch den Ruckle Provincial Park rundet den Tag ab... ach nee, mein Einkauf im ansässigen Organic Market. Ja... irgendwie kann ich nicht ohne. ;-) Der orangefarbene Blumenkohl ist wohl die ursprüngliche Sorte, wie man uns versicherte. Schmecken tut er auf jeden Fall gut.

Ein Tag kann nicht besser sein.


Eine kleine Anekdote für mich zur Erinnerung. Wir sind in Duncan auf einem Campground. Die Besitzer sind bei Ankunft nicht anwesend und ich hinterlasse einen Zettel, wer wir sind und wie lange wir bleiben. Bei Rückkehr von Salt Spring Island sehe ich ein Auto vor der Tür und klingle. Es tut sich was, ein Mann kommt nach Vorne, kalter Rauch schwabert mir entgegen. Der Mann (Mitte 50) mit canadischem Bauch, der mit roten Flecken bekleckert ist, fragt, was ich will. "Ich möchte gerne bezahlen", sage ich.
"Wiehahhnohtinahaarriiiiee" tönt es mir entgegen.
"Sorry?"
"Wiehahhnohtinahaarriiiiee" wiederholt er.
Ich merke, dass er von den Gläsern Rotwein, die er sich übers Schört gekippt hat, vorher ne Menge zu viel in sich gekippt hat.

Ok, we're not in a hurry... danke. Ich zahle morgen und tschullligung, dass ich beim Gelage gestört hab. ;-)

+++ 26.09.2010 +++

9.00 Uhr morgens... ich will bezahlen und klingele wieder.

Es öffnet mir eine Dame - Mitte 50 - mit einem rosafarbenen Hauskleid. Die Wimperntusche vom Vortag schmiert ungefähr bis zur mittleren Gesichtshälfte dem welken Gesicht herunter. Sie schaut mich ungläubig an. Ok... ich will doch nur bezahlen? Mit Mühe und Not bekommen wir das hin. Ja, auch das ist Canada.

Wir machen uns auf nach Duncan, um die Totempfähle zu bestaunen.


Danach gehts auf Richtung Cowichan Lake und Honeymoon Bay.


+++ 27.09.2010 +++

Aufgrund des Regens fällt die geplante Wanderung am Morgen aus. So machen wir uns direkt auf den Weg Richtung Port Alberni. Auf dem Weg kommen wir an Chemainus vorbei. Um auch vom Tourismus profitieren zu können, wurden viele Häuserwänder mit Gemälden verziert. Es lohnt sich in dem Falle, auf diese Tourist-Trap hereinzufallen. Der Spaziergang ist wunderbar, schöne alte Häuser mit netten Cafés und wirklich schöne Wandgemälde.



Eine weitere Touristenfalle lohnt sich nicht - Coomps mit seinem Old Country Market. Es ist das vierte Mal, das wir vorbei kommen und diesmal halten wir an und wissen, warum wir genau dort immer vorbei gefahren sind;-)

Ein zweites Mal aber halten wir an den Qualicum Falls an. Im Prinzip ein Drive-In-Wasserfall aber trotzdem wunderschön. Ein Rundweg führt über 1,5 zu den Lower und Uper Falls und die Luftfeuchtigkeit, die hier bei ca. 20° vorherrscht, lässt daran erinnern, dass wir im Regenwald sind.

Auf dem Weg zum Campingplatz verfahren wir uns dank der schlechten Maltechnik des Mitarbeiters der Tourist Info in ein Wohngebiet von First Nations. Den Problemen, die dieses Volk unterliegt (s. Link) werden hier schlagartig deutlich. Müll, Verwahrlosung, traurige Zustände. Es macht betroffen und auch Angst.

Als wir merken, dass wir uns verfahren haben, drehen wir an einem Wendehammer im Wohngebiet. Ein "Indiander", wie man sich im schlechten Film vorstellt, steht am Fenster und macht eine Handbewegung. Ich war mir nicht sicher, ob das ein Schuss darstellen sollte (weil wir ihn störten) oder ein Richtungshinweis... ich hoffe mal Letzteres. War skurril aber nicht beängstigend. Ich verlinkten Artikel hab ich überflogen, um zu prüfen, ob auf die Mißstände hingewiesen wird. Ich glaube, er ist in dem Zusammenhang sehr lesenswert.


Auf dem Arrowvale Campgrund in Port Alberni fahren wir uns erstmal im Schlamm fest - welche Aufregung - und genießen die Ruhe und das selbstgekochte Abendessen, als wir den Camper endlich zum Stehen gebracht haben.

+++ 28.09.2010 +++

Auf nach Ucluelet - dem wohl schönsten Teil der Reise. Wir steuern einen Campground an, den wir vor 6 Jahren bereits hatten. Er liegt oberhalb vom Hafen und - wir mal wieder außerhalb der Saison verreist - können uns den schönsten Platz aussuchen. Die "Facilities" am Campground sind nicht die besten. Interessiert uns aber insoweit nicht, dass wir alles - selbst duschen - bequem im Camper machen können.

Ausblick aus unserer "Küche":


Wir schlendern durch Ucluelet fangen ein paar Eindrücke ein. Lesen auf dem Campground gegen späten Nachmittag rundet ab. Es gibt große Wäsche und ich spanne die Leine zwischen dem Laternenpfahl und unserem Camper auf. So 1-2 Krabbeltierchen (~/= Kellerasseln) begegneten mir dabei und ich machte mir keine weiteren Sorgen. Abends überlegten wir, dass es aufgrund der Bärenwarnung (und der Gerüche des Waschpulvers) wohl besser sei, die Wäsche in den Camper zu holen. Gesagt - getan. Ein kurzer Aufschrei meinerseits ... der ganze Baumstamm (also der Laternenpfahl) war übersäht mit den Viechern. Die Wäsche wurde eingeholt, die Leine hängen gelassen. Buahhh... beim Abhängen der Leine waren mind. 50 Viecher unter dem Leinenblock. Beim Abcampen unter den Bremskeilen ganze Familien mit Enkeln... buhhh wie widerlich.


+++ 29.09.2010 +++

Wie immer bin ich früh morgens auf - Gott sei Dank. Nebel liegt überm Hafen, es ist wunderschön. Selbst als wir gegen 10.00 Uhr zum Wandern bzw. Spazieren gehen aufbrechen liegt der Nebel bei strahlendem Sonnenschein noch über dem Meer. Das, was wir sehen, sieht aus wie Kitschgemälde. Einfach wunderschön.


Wilde Tiere gibts auch und ich bin froh, dass ich sie bis jetzt nicht zu Gesicht bekommen hab (außer die Nacktschnecken und ein paar Schlangen):


Das Abendessen wird in einem wirklich zauberhaften Lokal Driftwood Patio Restaurant eingenommen. Für mich ein Gemüsecurry mit Reis und für Frank ebenfalls ein Curry mit Meeresfrüchten.

+++ 30.09.2010 +++

Von Ucluelet Richtung Tofino. Wir gehen mehrere kleine Wege durch den Regenwald. Es ist so phantastisch und so zu verzweifeln, dass ich das mit der Kamera nicht festgehalten bekomme. Die Luftfeuchtigkeit steigt bei dem schönen, sonnigen Wetter nach ein paar Metern im Wald extrem an (Sauna mit Zedernaufguss;-)). Alles ist so satt grün, durchfeuchtet und vielseitig. Farn unter riesigen Zedernbäumen, umgefallene Baumstämme, die Nahrung für viele Individuen geben und so zermodern. Der Geruch von feuchtem Waldboden, Tannen und sattem Grün. Ich würds so gerne festhalten - es geht wohl nur im Gedächtnis.


Ach ja, wir haben Scrat getroffen. Einfach so... Scrat hatte seine Nuss und wollte die mit seinem Leben verteidigen bzw. auf gar keinen Fall ohne die Nuss flüchten. So nah bin ich wohl noch nie an ein Eichhörnchen heran gekommen. Ab und zu flüchtete es kurz auf den Baum (ohne Nuss, weil die wohl zu schwer war) und kam ganz flott wieder runter, um weiter zu knabbern. Erinnerte mich doch arg stark an Ice Age.

I proudly present - Scrat (bitte nix über meine filmerischen Fähigkeiten sagen, ich übe noch. ;-))



Bei einem Spaziergang (Schooner Cove Trail) kommen wir ins Reservat der Tseshaht First Nation's. Am Strand spielen zwei Kinder und ich hätte ihnen stundenlang beim unbefangenen Spiel mit den Wellen zusehen können. Die beiden waren ganz allein, zwar in Sichtweise der Häuser aber trotzdem alleine. Und sie hatten viel Spaß.

 

+++ 01.10.2010 +++

Ab von Ucluelet Richtung Campbell River. Wir fahren die Küstenstraße 19a entlang. Hier wohnen also die, die auf ein mildes Klima wert legen. Ein Abstecher nach Cumberland lohnt sich. Ein kleines Örtchen, das noch teilweise alte Gebäude aus der Wild-West-Zeit erhalten hat. Auch ansonsten hat es einen wirklich netten Charme, schöne Cafés und sonderbare Insekten, die höllig Lärm machen.

Danach gehts nach Comox - sichtlich Wohnort für viele Senioren. Nicht wenig charmant. Hier lässt es sich im Alter wohl aushalten. Lustiges Kommunikation im Café: "Ist in diesem Teil irgendein Milchprodukt drin?" "Keine Ahnung, aber wenn Sie wissen möchten, ob es vegan ist, ja!! ;-))



Wir finden in Campbell River einen schönen Campground und planen 2 Übernachtungen.

Der Tag wird mit einer Wanderung entlang des Campbell River gemacht, um den Lachsfischern zuzuschauen. Dementsprechend auch fast nur Fotos von Fischern im Fluss. Es ist Hauptzeit für den Lachsfischfang. Mitte unten hab ich versucht, ein solches Tier im Wasser zu fotografieren. Natürlich nicht so gut gelungen.

Richtig spannend wurde es, als uns einer der vielen anderen Spaziergänger sagte, dass oberhalb ein Bär im Wald sei, falls wir die Richtung gehen würden (wir schauten gerade den Fischern zu). Ja... das ist unsere Richtung und meine Körpertemperatur stieg direkt um mind. 10 Grad. Ich bin dafür echt nicht gemacht. Ja ich weiß, dass hier Bären sind aber dass sie auch wirklich DA sind, mag ich nicht.

Wir haben ihn Gott sei Dank nicht gesehen und der Jogger, der uns irgendwann einholte war auch entsprechend gewarnt und froh, ihm nicht begegnet zu sein.

Abends dann Sushi für mich im Pub. Yeah!


+++ 03.10.2010 +++

Ich wollte ihr ne Chance geben - sie sollte sich von ihrer besten Seite zeigen und  meine Erfahrung von vor 12 Jahren revidieren, die Stadt Nanaimo. Hat sie nicht. Es gibt ein paar wenige schöne Ecken wie ein kleiner alter Stadtkern. Aber insgesamt ist es eine Stadt, von der eine Fähre aufs Festland führt. Punkt! Deswegen hab ich den ganzen Tag auch nur ein Foto gemacht:


+++ 04.10.2010 +++

Wir fahren einen Tag früher aufs Festland - diesmal mit bewölktem Himmel geht die Fähre von Nanaimo nach Twawassen. Wieder auf den wirklich schönen Campground Hazelmere und wir besuchen White Rock. Der Himmel öffnet sich etwas für uns und schickt uns noch ein paar warme Sonnenstrahlen. Wir schlendern durch den Ort, hinaus auf den Pier, trinken den obligatorischen Kaffee (Two Latte, please! One with soy - one with nonfat please. ;-))) und sind einfach froh.


 
+++ 05.10.2010 +++

Vancouver Downtown solls heute sein. Wir fahren mit dem Auto bis zur riiiesigen Mall Metrotown und von dort aus mit dem umbemannten Skytrain bis Downtown und von dort weiter mit dem Skybus zum Lonsdale Quay mit seiner wunderbaren Aussicht auf die Skyline von Vancouver.

Die Innenstadt war uns zu voll und so haben wir uns schnell aus dem Staub gemacht, in der Metrotown noch ein paar Geschäfte gestürmt und dann mit einem wunderbaren Sonnenuntergang in White Rock wieder zu Abend gegessen.

Es gab unterwegs noch einige interessante Ereignisse. Ein Kenner aber genießt und schweigt (oder schüttelt sich - wie auch immer).


+++ 06.10.2010 +++

Mittags Treffen mit Fikos und Suzi in deren Barbershop und kurzes Beisammensein bei einem vietnamesischen Lunch. Zu kurz, von uns schlecht koordiniert. Beim nächsten mal besser. Danach gings ab in die Berge. Keine 15 Minuten von Downtown Vancouver liegt der Lynn Canyon Park und lädt zu einem Spaziergang ein. Meine Höhenangst wird mit der Hängebrücke mal wieder etwas auf die Probe gestellt aber das ertrag ich besser als die vielen sehr hohen Autobrücken hier.

Einen Tag haben wir noch.


+++ 07.10.2010 +++

Ein Tag mit Pat, zumindest ein halber, soweit er sich von der Arbeit loseisen kann. Wir werden - trotz großer Proteste - von ihm abgeholt. Es ist unser letzter Tag, wir müssen am nächsten Tag gaaaanz früh aufstehen. Wir wollen gar nicht sooo lange und wir wollen vor allen Dingen wenig Alkohol. Pat sieht das anders. Er als "Bier-Sommelier" will uns seine Lieblingspubs zeigen und mit uns ein paar Proben machen. Widerrede ergab keinen Sinn bzw. hatte mal so gar keinen Erfolg.

Erst bekamen wir von Pat und seinem Kollegen eine Stadtrundfahrt Downtown und durch den Stanley-Park. Dann der erste Test des Black Velvet - also Guiness und Cider gemischt im Irish Heater. Im nächsten Pub, dem Alibi Room, gab es 25 verschiedene Biere vom Fass und noch etliche in Flaschen. Ich sprach mit einem Mann, der alleine im Pub saß und sich eine Flasche Bier (wohl einen halben Liter) für 40,00 CanDollar bestellt hatte. Der trank und genoss den wie eine gute Flasche Wein - bei dem Preis. Ich hab 3 kleine Bier probiert, u.a. ein Pumpkin Ale, das mit Muskatnuss und Zimt gewürzt ist. Ich muss schon sagen, das war nicht schlecht.

Dann gings ab in den The Media Club, in dem wir uns The Felice Brothers angeschaut haben. Ich bin ja jetzt nicht DIE Musikkennerin und es entsprach auch nicht ganz meinem Geschmack aber es war super interessant, die Leute zu beobachten. Natürlich deutlich jünger als wir und in einem Stil, den ich hier noch nicht gesehen hab. Viele junge Männer mit Vollbart und karierten Hemden aber nicht Country-Stile sondern modern. Eine Gegegenbewegung zu den Glattrasierten und "Schönen", denke ich. Ein bisschen Retro vielleicht. Lustig wars auf jeden Fall.


Das Ende vom Lied - wir waren um 2.30 Uhr in der Nacht zu Hause - beide mit tierischen Kopfschmerzen, die uns Rätsel aufgaben. Wir hatten zwar Bier getrunken waren aber an keiner Stelle betrunken. Wie auch immer, 3 Stunden Schlaf und dann gings raus, Anhänger fertig machen und um 8.00 Uhr abgeben. Wir hatten das Fifth Wheel von Traveland gemietet. Hat alles reibungslos geklappt und ist zu empfehlen. Der Rückflug über Montreal war auf dem letzten Stück ziemlich holprig. Noch ein Wort zur Fluggesellschaft Air Canada. Das bestellte vegane Essen hat meisten geklappt. Dafür gab es mit dem Entertainmentprogramm immer Schwierigkeiten. Alle Flugzeuge, die wir hatten (4 Stück) waren mit Bildschirmen am Platz und großer Auswahl an Filmen bestückt. Das ist kurzweilig, wenn es funktioniert. Tat es aber bei keinem der Flugzeuge. So hatten man dann teilweise keine Unterhaltung und da kann so ein Flug schon lang werden.

Auf jeden Fall war es ein großartiger Urlaub. Viele Freunde getroffen aber auch viel Zeit für uns gehabt. Viel Natur gesehen, viel Stadt. Hätte nicht besser sein können. Und bei dem Wetter hab ich mal öfters nachgeschaut, ob wir evtl. über Flügel verfügen.

Alle Bilder sind hier zu sehen: Klick

Noch ein bisschen was für Veganer:

Es ist deutlich einfacher, in Canada in einem Restaurant veganes Essen zu bekommen (wenn es nicht ein gehobenes Restaurant ist) als hier in Deutschland. Die klatschen zwar wirklich an ALLES Käse und viel Sour Cream aber mit kurzer Erklärung wird alles versucht, einem das Essen gerecht zu machen.

Wir waren nur in Calgary in einem vegetarischen Restaurants. Im Rest vom Urlaub waren wir in normalen Pubs und Restaurants, wenn wir nicht selbst gekocht haben. Das beste Essen hatte ich im Alibi Room mit einer Chinatown Noodle Bowl. In der Karte war sie extra als vegan ausgezeignet - in einem normalen Pub. Ich hab hier noch nie in einer Kneipe außerhalb eines vegetarischen Restaurants) eine vegane Kennzeichnung gesehen. Es gibt noch viel zu tun. ;-))

Allerdings wird es etwas einsamer, wenn man etwas für aufs Brot sucht. Tofu gibt es natürlich, smoked Tofu auch und dann hört es auf. Eine Pastete hab ich gefunden und probiert. War ok. Brotaufstriche, wie wir sie von so vielen Anbietern kennen, hab ich gar nicht gefunden. Für mich zwar es total in Ordnung, zwischen Tomaten, Avocado, Smoked Tofu und der Pastete zu wechseln (natürlich Mandelmus und Marmelade noch dazu). Aber es ist halt deutlich weniger Auswahl.

Soja-/Mandel-/Reismilch etc. war überall zu bekommen - also im Supermarkt wie in "Healthy Stores". Allerdings waren alle, die ich gesehen hab, vollgepackt mit Zusatzstoffen. Vitamine, Mineralien etc.

Ha.. und Eis gabs in den normalen Supermärkten auch... hmm....

Und dann ist da noch die Reaktion der Canadier - entspannt. Ah, Du bist Veganer? Wieso? Ah interessant. Keine Reaktionen, als ob man der totale Freak ist, wie man es hier oft erlebt. Keine direkte Reaktionen wie "Aber ich brauch mein Fleisch" oder "Fleisch essen ist normal", ohne dass man den Fleischkonsum des Gegenüber kritisiert hat. Ein einfaches Interesse und gut ist. Haaah.....entspannt. I love it!

Merkzettel: Nicht nur den Wok mitnehmen sondern auch scharfe Messer. Gemietete Camper verfügen über schlechte Töpfe (hab ich ja schon gelernt) und IMMER unscharfe Messer.

Sonntag, 8. August 2010

Stippvisite Schottland ..


... so heißt die "Pauschal"-Reise, d.h. die Bed & Breakfast werden vom Veranstalter vorgebucht, man sucht sie sich nicht aus. Um so gespannter waren wir, was uns da erwartet.

Wir wollten Schottland kennen lernen, was geklappt hat - wir werden wieder kommen, uns auf eine Region festlegen und die Wanderstiefel schnüren, was in der kurzen Zeit und bei den Kilometern nicht ging. Aber es war für den ersten Besuch so genau richtig.

PS: Bilder am besten einmal auf groß klicken!

Tag 1: Ankunft - Edinburgh - Musselburgh


Wir landen in Edinburgh, nehmen uns flott den Leihwagen und starten direkt mal in Richtung unserer ersten Unterkunft, die auf dem Bild links zu sehen ist. Das Hotel Carberry Tower entzückte zwar mit dem reinen Anblick. Allerdings waren unsere Zimmer in einem Nebengebäude untergebracht und die mit Abstand schlechtesten und vor allen Dingen im Gegensatz zu allen anderen auch schmutzigen. Schade eigentlich. Alle erreichbaren Hotels hatte ich vorher angeschrieben, ob sie mit Sojamilch und Früchten zum Frühstück aufwarten können (wenn nicht, richte ich mich ein und bringe es selbst mit). Auch das war vergessen worden... aber nun genug des Negativen. Es bleibt eine schöne Location und bei der Hochzeit, die an dem Abend stattfand, hätte ich gerne Mäuschen gespielt. Besonders als ich hörte, dass die Dudelsackspieler aufwarteten.

Edinburgh an sich entpuppte sich als sehr schöne Stadt, die wir allerdings nach einigermaßen kurzer Zeit wieder verließen. Es fand ein Jazz-Festival statt und auf einigen Plätzen war kein Durchkommen. Hier würde ich zu einer anderen Jahreszeit gerne zurück kommen. Für alle Vegetarier/Veganer ist zu erwähnen, dass wir ein tolles (und für mich bestes) Essen im David Bann genießen konnten.

Die beiden Bilder unten links sind aus dem Städtchen Musselburgh, in dem wir den ersten schottischen Regen erleben durften, der uns direkt mal bis auf die Haut durchnässte. Höchstens 5 Minuten, vorbei war der Zauber.

Tag 2 -  Loch Lomond - Luss - Crinan - Kilmartin - Oban


Schon die Namen der Orte lesen sich, wie von einer anderen Welt. Das Wetter wechselt ständig zwischen kleinen Regenschauern und freiem Himmel. Schön (s. Foto) in den Bergen zu beobachtendes Wolkenspektakel. Besonders der Crinan Canal war beschaulich und schön - 15 Handschleusen werden auch heute noch betätigt - vor allen Dingen von Freizeitseglern. Auf dem Bild unten links sieht man hinter mir im Ort Crinan 3 Fischer ihr nachmittägliches Bier trinken - es hat Spaß gemacht, dem schottischen Akzent zu lauschen, wenn ich auch nur die Hälfte verstand. Oben rechts ein typisches Bild - mittags Picknick mit Salaten von M&S oder anderen Supermärkten. Das zweite Bild oben rechts zeigt unser Columba Hotel in Oban. Wir hatten das Zimmer mit dem Turm oben links und es war phantastisch. Nachdem wir das erste richtig schlechte Essen abends haben "genießen" dürfen, zogen wir es vor, uns am zweiten Abend dort oben im Turm mit Blick auf den Hafen selbst zu versorgen.

Tag 3 - Oban - Mull - Oban


Die Anzahl der Bilder zeigt schon, fast das für ein phantastischer Tag war. Früh morgens mit der Fähre zur Isle für Mull. 45 Minuten vorbei an wunderschönen Landschaften. Wir entschieden uns für die Route Richtung Tohemory  - ein Ort mit wunderbar schönen Häusern am Wasser (Bild rechts Mitte).

Im Calgary Farmhouse gabs einen Snack und einen kleinen Blick in deren künstlerische Tätigkeiten - auf der Rückfahrt hielten wir dann noch an diesem phantastischen Friedhof (Bild Mitte links) an - ich hoffe dann mal, dass die Verstorbenen auch was von dieser tollen Aussicht haben.

Tag 4 -  Fort William - Glenfinan - Mallaig - Isle of Skye (Struan)


Fort William, einem Zentrum von Outdoor-Aktivitäten im Hochland, statten wir einen kurzen Shoppingbesuch ab. Bewaffnet mit Baguette, Hummus, eingelegten Tomaten/Oliven und Rotwein setzen wir in über das Glenfinan-Monument unsere Reise Richtung Fähre in Mallaig fort, um auf die Isle of Skye überzusetzen. Hätten wir die Fähre reserviert, wären wir dann mal direkt rüber gekommen. So mussten wir in dem kleinen Nest 3 Stunden verweilen. Mein Picknick am Hafen wurde schnell von vorwitzigen Möwen gestört und ich musste mich mit allen Utensilien ins Auto zurück ziehen. Nur den Müll hatte ich außen gelassen, um ihn später zu entsorgen. Das haben dann die Möwen für mich gemacht ...hmm..

In Struan auf Isle of Skye angekommen, war ich froh, dass ich in der Pension mangels Mailadresse nicht nach Sojamilch und Extra"würsten" gefragt habe. Es war ein kleines B&B - wahrscheinlich ehemals eine Schaffarm. Die Dame des Hauses vom Glenside B&B war doch schon etwas älter und sie hätte möglicherweise mit Sojamilch nichts anzufangen gewusst, mal ganz davon abgesehen, dass es in normal erreichbarer Reiseweite so etwas nicht gab. Es ist ein so liebevoll eingerichtetes Haus - die Jubiläumstassen der Königinnenkrönung und der Hochzeit von Charly und Diana standen im Schrank. Der Frühstückstisch war so liebevoll mit kitschigem Porzellan bestückt und überhaupt... es war die schönste Unterkunft, wenn auch nicht die komfortabelste - aber alles super sauber... Frank hatte nur Angst samt Dusche ins Erdgeschoss zu fallen, so stark wackelte der Holzboden im alten Haus.

Das Abendessen dort im Irgendwo im Nirgendwo war auch nicht ganz so einfach. Alle Touristen stürzten sich auf die 3 Lokale in Dunvegan. Haus Nr. 1 war belegt, Haus Nr. 2 wurde von der Wirtin als nicht genießbar bezeichnet und im Haus Nr. 3 bekamen wir mit viel Glück einen Tisch. Schön war hier zu beobachten, wie wenig Stress sich der Herr des Hauses machte. Er belegte nur 4 Tische - mehr schaffte er alleine nicht, wenn er nicht in Stress geraten wollte. Ich bekam Pommes und Gemüse für 3 Pfund und war damit mehr als zufrieden.

Tag 5 - Isle of Skye - Portrée  - Eilean Donan - Loch Ness - Inverness


Es gab Black Houses zu besichtigen - ehemalige Häuser von Tagelöhnern, einen Wasserfall und einfach nur wunderbare Landschaften, die es auf dem Foto nie so festzuhalten gilt, wie sie in Wirklichkeit sind. Highlight war dann natürlich, dass wir in Portrée die Gelegenheit hatten, uns Highland-Games anzuschauen.

Das Schloss Elean Donan wurde kurz von außen besichtigt und dann ging es am Loch Ness vorbei nach Inverness. Hier gab es veganes Abendessen für mich im Café 1. Es hat zwar ne Weile gedauert, bis der Kellner - der immer nach Gesprächen mit mir wieder in die Küche zur Rücksprache mit dem Koch flog - etwas rausbekommen hat - das hat dann aber auch sehr gut geschmeckt. Hätte vielleicht nicht ganz so teuer sein müssen. ;-))

Jetzt hatten wir zwei Nächte im B&B Rehiran Beag. Ein sehr großzügiges, sauberes Haus mit einer Kuriosität - es gibt keine Schlüssel. Alle Zimmer sind offen und die Haustüre ist es ebenfalls, solange noch Gäste unterwegs sind.

Tag  6 -Black Isle - Tain - Morangie - Dornoch - Inverness


Ach ja, ich laufe morgens immer - entweder 2 oder 4km. Das Moos und die Heide auf der Straße sind mir dabei aufgefallen. Das zweite Bild oben rechts zeigt unser B&B, auf das ein leckeres Frühstück mit Sojamilch, frischem Obst und dem üblichen englischen Frühstücksgemüse gab. Wir starten Richtung Morangie, um dort die Destillerie des Glenmorangie zu besichtigen. Schick hergerichtet. "Zufällig" liegt auch mal wieder ein Friedhof in der Nähe.

Das Foto von uns im Pub macht eine Frau, die völlig aus dem Häuschen war, weil ihr Mann am nächsten Tag den ersten Kilt bekam - sie ließ sich wortstark und mit viel Körpereinsatz (irgendwann landete ihr Fuß auf der Theke) das Binden der Schnürsenkel erklären. Wir mussten abwarten, bis sie die Erklärung des Wirtes verstanden hat, um dann an unser Bier zu kommen.

 
Tag 7 -Aviemore - Blair Atholl - Pitlochry - Perth


Zurück über eine landschaftlich reizvolle Strecke durch die Berge - heute regnet es etwas länger als 5 Minuten. Wir halten am Blair Castle und schauen uns dieses mit Garten für einige Stunden an (nachdem wir erstmal ausgiebig unser tägliches Picknick ausgeübt haben). Es ist wirklich unmöglich (und auch sehr teuer), sich jedes Schloss, was einem über den Weg kommt, zu besichtigen. Die Eintrittspreise sind hoch. Es hat sich gelohnt, dass wir dieses hier anschauen konnten. Bilder vom Innenleben waren nicht erlaubt - einfach nur interessant.

Abend gings in Perth zum Italiener zum Abschlussessen und schon waren die 7 Tage rum. (PS: Du Mann von der Brücke, an dessen Laufrichtung der starke Alkoholkonsum sichtbar war... ja wirklich, ja... Du hast Dein Mobiltelefon in hohem Bogen in den Fluss Tay geschmissen.)

Wir kommen wieder - entweder Isle of Skye oder Isle of Mull, um dort 1-2 Wochen Wanderurlaub zu machen und alles in Ruhe zu genießen.

Jetzt benötige ich gute Literatur. Ich muss mich mal etwas ausgiebiger mit der Historie von Schottland beschäftigen, das find ich spannend. Wer also Tipps hat, bitte her damit.