Freitag, 12. Oktober 2007

Toskana Herbst 2007

Tag 1 - der Tag der Matratze

Verflucht sei der Tag, an dem wir uns gute Matratzen gekauft haben. Wisst Ihr, was der Nachteil ist? Man schläft in keinem anderen Bett mehr gut. Das Weingut in der Toskana, auf dem wir die nächsten 2 Wochen unsere Ferien verbringen werden, entspricht exakt unseren Vorstellen bzw. übertrifft sie sogar noch. Wunderschöne Anlage mit 12 Appartments, extrem ruhig, 12 km von Siena entfernt, sauber und gepflegt und der Pool ist Ende September auch noch geöffnet. Die Betten sind gut - aber eben gänzlich anders als unsere Kuschelmatratzen zu Hause.

So liege ich nachts wach, kann ohne Berührung, nur durchs Spüren, jeden einzelnen Wirbel zählen und horche in die Nacht. Von weit her bellen Hunde - das tun die schon die ganze Nacht, schlafen Italiener so tief oder warum bringt die keiner zur Ruhe?

Als gegen 6.00 Uhr morgens ein Schuss durch den frühen Morgen hallt, mein Frank, dass ich meine Laufpläne durch die Weinberge anhand der gestern gesichteten Jäger noch mal überdenken oder mir eine Warnweste aus dem Auto überziehen sollte. Ok, ich laufe nur an der "Hauptstraße" lang, die allerdings auch eher einem deutschen Feldweg gleicht und schleiche nicht durch die Berge. Noch keine 300m gelaufen, kreuzen zwei Rehe - wahrscheinlich etwas nervös in Anbetracht der nächtlichen Schüsse - meinen Weg. OK, Jäger strecken ihre Beute mit gezielten Schüssen nieder, ich werde nichts spüren, sollte es mich erwischen. So meinen paranoiden Gedanken folgend bemerke ich, dass ich deutlich stärker atme als sonst. Es geht die ganze Zeit bergan - das tut es auch noch die nächsten 3,5 km - ich werde wohl lernen müssen, in den Bergen etwas Kraft zu sparen.


Anschließend drehe ich noch einige Barfußrunden um den Pool, führe mein Dehnprogramm mit Blick auf die dunstgefüllten Täler durch und freue mich des Lebens.

An unserem ersten Wandertag starten wir mit einem kleinen Spaziergang zum Eingewöhnen rund um das Schloss Brolio, natürlich in der Mittagshitze.

Tag 2 - der Tag des Gummibundes

Alles fängt damit an, dass gestern Abend im ausgesprochen netten Lokal eine deutsche Reisegruppe einfällt - nebst deutsch-italienischer Reisebegleitung und vorgebuchtem Essen. Die Teilnehmer lernen u.a., dass man "Brusketta" sagt und nicht "Bruschetta". Ich als Tante eines Halbitalieners weiß so was natürlich ;-) - ich kann auch ohne Peinlichkeiten Nodschi bestellen.

Der 2. Tag startet mit 1km barfuß im Kreis um den Pool rum - Frank ist froh, dass ich zu den Frühaufstehern zähle und mich keiner beobachtet. Mir ist das wurscht und der Barfußlauf im Morgentau bei Sonnenaufgang mit anschließendem Turn- und Dehnprogramm lässt den Tag für mich perfekt starten.

Wir beginnen unsere Wandertour in Greve in Chianti - 7km bis nach Panzotti (wir steigern uns von Tag zu Tag). Greve ist ein schöner Ort und deshalb sehr von Touristen überlaufen. Ich fange an, die Leute anhand ihrer Kleidung, ohne vorher die Sprache zu hören, zum Land zuzuordenen.

Da wären:

Norditaliener - perfekt gekleidet, Frisur sitzt, Sonnebrille auch - immer!

Engländer - was soll ich sagen: Sonnenverbrannt, Frau immer dicker als der Mann.

Deutsche - immer akkurat, selbst wenn es sportlich wird, immer akkurat… alles aufeinander abgestimmt, auch die Freizeit- und Wanderkleidung. "Mutti lass uns mal nahm' Outlet fahren, ich brauch noch ne Wandergarderobe für Italien." Menschen meines Landes erkenne ich immer und spreche gezielt deutsch - im übrigen unterscheidet sich meine Garderobe auch wenig.

Amerikaner - und hier kommt er: Gummibund. Egal was sie anhaben - Gummibund. Röcke, Shorts, obligatorische beige Bundefaltenhosen - immer Gummibund. Der Mann trägt neben seinem Seitenscheitel dazu Polo-Shirt, einen geflochtenen braunen Ledergürtel und Turnschuhe. Die Dame favorisiert enge Tops oder T-Shirts - immer in der Hose oder im Rock. Warum? Damit man den Gummibund sieht - bestimmt. Hat ein Amerikaner evtl. den Gummibund erfunden? Sind die Amis stolz darauf oder haben sie beim Auswandern in den letzten Jahrhunderten einfach nur den guten Geschmack in Bremerhaven am selbigen gelassen (oder von wo aus auch immer das Schiff ablegte)??

Ich werde das weiter beobachten. Selbstverständlich sahen wir die meisten Leute Gott sei Dank nur in Greve. Die Wanderung zwischen Greve und Panzano war einsam und wunderschön. Mit dem Bus gings zurück nach Greve, zurück zum Gummibund!

Tag 3 - der Tag des Verlustes von Gedächtnis und Orientierung

Heute ist wieder Lauftag. Mit Wanderkarte bewaffnet will ich mich heute den Jägern stellen. Rotes Shirt, das sollte klappen. Ich laufe den ersten Feldweg rein, der mir in die Quere kommt und laufe auf einen Wald zu. Verängstigt geb ich nach 500m auf und kehre zum Hauptweg zurück. Was genau mir Angst macht, kann ich nicht eindeutig sagen. Die Jäger sind es nicht und ich glaube auch nicht, dass der Italiener an sich dort auf eine bekloppte deutsche Joggerin wartet - aber der Lauf soll Spaß machen und keine Angst. Ich finde einen helleren Weg in den Weinbergen und eine der schönen Zypressenalleen. Die Blicke im ortsansässigen Bar-Tabacco-Lebensmittelladen, als ich in Laufmontur "Pane" holen möchte, sind schon vielsagend… Ruf ruiniert.

Heute steht Siena auf dem Programm. Es ist sicherlich schon unser 5. Besuch in der Stadt - "wir kennen uns also aus". Problem ist nur, dass ich von den meisten kulturellen Informationen, die ich mir selbst bei den Besuchen aus den Reiseführern vorgelesen hab, nichts gemerkt habe. Hat auch was für sich, so können wir die Tour noch mal neu gehen und ich sehe die Gebäude samt Informationen wie beim ersten Mal. Bedenklich ist nur, dass ich mich an jede Eisdiele, an jedes Café, an jede Bar, an jedes Restaurant erinnern kann, nur nicht, wer den Palazzo Hastenichtgesehen im Krieg gegen Verweißwen verteidigt hat. Naja, man muss halt Prioritäten setzen.

Neben dem Gedächtnisverlust verliere ich scheinbar auch noch meinen Orientierungssinn. Trotz weiblichen Geschlechts konnte ich den bisher sehr wohl mein eigen nennen - aber nixxe, völlig weg. Ich hoffe, ich finde ihn auf dem Rückweg nach Deutschland wieder.

Tag 4 - Tag des Rückens oder Touristen bei der Hitze

Es kündigte sich schon gestern an. Franks Rücken macht schlapp - andere Matratze, ne falsche Bewegung. Das bedeutet: Keine großen Wanderungen. Wir nehmen San Galgano, die Klosterruine, ins Visier - hatten wir das doch bei den letzten 2 Toskana-Urlauben nicht geschafft. Es hat sich gelohnt. Bösartig ist allerdings der Landwirt, der auf der kurzen ausgesuchten Spazierrunde einfach mal den Gehweg umgepflügt hat. So stapfen wir durch die Mittagshitze (28°) auf gerade umgepflügten Acker, was Franks Rücken nicht so gut bekommt.

Wir lassen den Tag gemütlich bei einem Glas Wein und Panini in San Gimignano ausgklingen. Den Ort kennen und lieben wir und so "müssen" wir nicht, wie 100.000 andere Touristen alle Gassen durchpflügen sondern sitzen einfach mal so 1,5 Stunden im Schatten und lassen es uns gut gehen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es sich hier zur Hauptreisezeit und bei 40 ° im anfühlt.

Tag 5 - Tag des Faulenzens

Es hat sich ein Ritual festgesetzt. Ich stehe morgens allerspätestens dann auf, wenn sich die ersten Sonnenstrahlen zeigen. Dann stehe ich mit meiner Tasse Kaffee auf der Wiese und bestaune das Farbenspiel. Heute geht es danach wieder laufend ab in die Weinberge, auch hier belohnt mich wieder das Lichterspiel für den frühen Lauf, dafür kämpfe ich mich aber auch erstmal wieder die "Berge" hoch - also für mich sind es Berge aber das Chianti-Gebiet besteht ja eigentlich mehr oder weniger aus Hügeln, oder?

Franks Rücken wird nicht besser und wir beschließen einen Faulenz-Tag einzuschieben. Nach 5 Tagen kann ich das sogar - ansonsten hätte mich die Unruhe umhergetrieben - aber so ist es für mich ok und schön. Ich genieße das Lesen - schon das 3. Buch, in das ich mich in den wenigen Tagen vertiefen kann und die Inhalte des Buches verschwimmen teilweise mit der Realität - außerhalb des Urlaubes ist es immer genau anders herum.

Zeit, über Mücken zu sprechen. Es hat durchaus Vorteile, in der Stadt oder stadtnah zu wohnen. Das Ungeziefer hält sich in Grenzen. Wenn sich mal eine Mücke in unser Schlafzimmer verirrt, dann ist sie laut und sticht. Das juckt ein wenig, aber ansonsten nicht der Rede wert.

Obwohl wir mit allen Finessen der Menschheit versuchen, uns das Viehzeugs hier in der Toskana vom Hals zu halten, sind wir schon ordentlich malträtiert. Und dieses Mal muss Frank der Gerechtigkeit halber auch dran glauben. Nicht wie sonst, in den letzten 12 Jahren, dass ich mit Stichen übersät war und er nichts hatte. So sitze ich abends schon mal gerne mit langer Hose, die in die Socken gestopft (bloß keine Einfuhrmöglichkeit geben) und langärmlig trotz warmen Temperaturen auf der Terrasse. Problem ist nämlich, dass die Dinger jucken wie blöd und bei mir besonders schön anschwellen.

Tag 6 - Tag der Wäsche oder warum ich "Amerikanerin" spiele

Ich hab "eng" gepackt, also echt nur das nötigste. Warum? Weil ich mittlerweile weiß, das sich im Urlaub doch nur die gleichen Sachen trage, und zwar die bequemsten. Es gibt eine Waschmaschine vor Ort - so zumindest die Ansage. Diese ist aber defekt und wir werden (gestern) ins Dorf verschickt, um dort im Hinterhof zwischen Reifenstapeln und alten Autos unsere Wäsche in der ortsansässigen Reinigung abzugeben.

Frank hat eine 8km-Route mit wenig Steigungen ausgesucht, rückentauglich sozusagen. Was zieh ich denn jetzt an, wo meine Lieblings-3/4-Hose bei einer mich nicht verstehenden Dame weilt und hoffentlich in gleicher Größe zurückkommt, wie ich sie abgegeben hab. Also Trecking-Hose an - mit Gummibund. Dazu ziehe ich meine Laufschuhe mit Einlagen an - mir ist nach festem Schuhwerk anstatt der Trecking-Sandalen. Wanderschuhe hab ich mangels passender zu Hause gelassen. Dazu binde ich mir die praktische aber hässliche (gewonnene) Asics-Bauchtasche um, an der ich FR und Foto-Apparat befestige - jetzt fehlen mir nur noch 50 zusätzliche Kilos und schon ist die Amerikanerin perfekt.

Warum wir auf den beiden anderen Toskana-Reisen noch nie in Monteriggioni waren, ist mir schleierhaft. Wunderhübsch - dort startet unsere Tour. Kurz gesagt: Wir verfransen uns, laufen nur 6 anstatt der 8km und landen irgendwann fröhlich grinsend bei Bier und Kaffee wieder auf dem Marktplatz von Monteriggioni. Der Ort ist quasi von Amis besetzt und ich wähne mich mit meinem Outfit in guter Gesellschaft. Damit hier keine Missverständnisse entstehen, ich kategorisiere nicht, weil ich das eine besser oder schlechter finde - bei Frank und mir hat es sich nur mittlerweile schon zu einem Spaßsport entwickelt, die anderen Toskana-Besucher anhand Kleidung oder Verhalten ihrem Land zuzuordnen - klappt gut. Wie gesagt, üblicherweise kann man uns auch wunderbar als Deutsche enttarnen.

Beim Abholen der Wäsche begehe ich den fatalen Fehler, die kurze Hose nicht durch eine lange zu ersetzen. Wir müssen auf die Dame im Hinterhof warten und meine Beine werden durch einige Mücken arg in Mitleidenschaft gezogen. Es gibt eine Pizza zum Mitnehmen als Abendessen und mein viertes Buch neigt sich dem Ende.

Tag 7 - Neuer Tag

Erst Laufen - die Sonne geht wieder wunderschön auf. Dann Markt in Greve, ich will italienischen Spießbraten essen - Salami kaufen - Castellina - Straßensperrung durch Autorennen, Wein schmeckt nicht - zu viel gegessen!

Tag 8 - Tag des Gefundenen

Heute steht Arezzo auf dem Programm. Der größte antike Flohmarkt, so liest es sich in den Büchern. Ok, das wissen neben uns noch ca. 100.000 andere Menschen, und die Italiener nutzen den Anlass für einen Sonntagsausflug. Ich glaube, alle Bewohner der Toskana waren in Arezzo. Dementsprechend voll war es, Gott sei Dank waren wir schon gegen 10.00 Uhr dort und machten uns um 12.00 Uhr schon wieder aus dem sprichwörtlichen Staub. In der Gegend um Arezzo wird mehr Getreideanbau betrieben. Jetzt im Herbst liegen die Landhöfe wie grüne Tupfen oben auf den grau-braun umgepflügten Feldern. Auch schön zu sehen - wie mag es wohl sein, wenn sich das Getreide im Wind wiegt oder die Sonnenblumen stolz in die Höhe schauen.

Auf der Rückfahrt besuchen wir zwei kleine Dörflein, schon wieder im Chianti-Gebiet zurück. Die Bars (Cafes) sind geschlossen, die geöffneten Restaurants restlos von italienischen Großfamilien (also die, die nicht in Arezzo sind) überfüllt. Dann finden wir es, das was in keinem Reiseführer steht. Es werden in einem Haus 8 Zimmer vermietet, nebenan eine Enoteca zum Testen der Weine aus der Umgebung und es gibt eine kleine Speisekarte. Die Wirtsleute freuen sich über unseren Besuch und nicht perfekt aber umso herzlicher wird für uns der Tisch gedeckt, die Nudeln gekocht und mind. 10 Mal erkundigt, ob wir zufrieden sind. Einfach herzlich und persönlich - wir haben uns sehr wohl gefühlt und werden sicherlich in der verbliebenen Zeit mind. noch einmal vorbei schauen.

Die ersten Wein- und Öleinkäufe wurden getätigt und dann wurde es auch schon wieder Zeit für eine Siesta.

Ob man sich hier je an der Gegend satt sehen kann?

PS: Nachdem wir gestern überraschend Autorennen schauen mussten, führte heute an unserer Fattoria ein Amateur-Radrennen vorbei. Die Strecke war nicht gesperrt und trotzdem, dass wir extrem langsam fuhren, mussten die armen Sportler unseren Staub atmen. Schade, dass heute kein Lauftag war, wäre spaßig gewesen, mit den Radlern unterwegs zu sein.

Tag 9 - Tag des Siena-Laufs

Neben dem, dass ich es schaffen wollte, jeden 2. Tag (unverletzt) im Urlaub zu laufen und möglichst viel von den Eindrücken des frühren Morgens der Toskana mitzunehmen (was eindeutig gelungen ist), wollte ich Siena morgens früh laufend erkunden und einen Lauf von der Fattoria bis nach Siena machen. Letztes fällt aus, da ein Lauf entlang der Hauptstraße keinen Spaß macht und obendrein bei der Fahrweise der Italiener zu gefährlich ist. Querwege, wie ich es mir vorgestellt hatte, gibt es nicht.

Gestern war dann der Siena-Lauf-Tag. Punkt 8.00 Uhr waren wir in der Stadt und ich startete meine Strecke. Slalom zwischen zur Arbeit strebenden Sienanesen und durch die engen Gassen fahrenden Dreirädern und Lieferwagen - so ganz gedankenlos konnte ich auf jeden Fall nicht daher traben. Mein Blick richtete sich stur gerade aus - man sieht hier einfach keine Läufer (und wenn, dann sind es eben Touristen) und ich wollte mir die Laune nicht durch unverständliches Kopfschütteln seitens der Italiener verderben lassen.

Die Fotos, die ich auf der Route gemacht hab, waren eher enttäuschend. Um in Siena gute Fotos machen zu können, braucht man wohl Ruhe. Meine anfängliche Sorge, ich würde ständig im Kreis laufen müssen, hatte sich schnell erledigt, ich hatte wohl die Größe der Stadt unterschätzt. Alleine das Fortezza Medicia, die von den Medici erbaute Stadtfestung, hatte an der Außenmauer abgelaufen ziemlich genau 1km. Die Form ist wunderschön erkennbar mit meinem FR aufgenommen.

In Siena kann man sich Gott sei Dank nicht verlaufen - alle Wege führen über den Palio, also den Hauptplatz, und an jeder Ecke hängen Wegweiser zu den wichtigsten Denkmälern.

Nachdem ich mich nach 7km und ca. 120 Höhenmetern (für eine Stadt viel, oder?) im Parkhaus hinterm Lenkrad in andere Kleidung gefriemelt hab, gabs bei Nanini Brioche(mit Schokolade) und einen leckeren Capuccino. Das Schokohörnchen war so fluffig und mit Schoko und Puderzucker überzogen, dass Frank und ich nachher selbst wie ein Brioche aussahen. Noch 2 Stunden später waren wir der Meinung, über und über bestäubt zu sein. Lecker!!!

Erwähnte ich schon, dass wir bis jetzt jeden Tag Sonne und blauen Himmel hatten? Das scheint auch noch (nach Aussage eines toskanischen Schweizers) die letzten Tage anzuhalten. Es wird zwar jetzt nachts kühl, so dass wir beim Abendessen nicht mehr Draußen sitzen können - aber tagsüber werden es angenehme 22° und strahlendem blauen Himmel. Schön.

Tag 10 - Tag des Radrennens

Heute Morgen, beim Pane kaufen im Ort, sehe ich KM-Markierungen, die neu sind und die ich nicht richtig zuordnen kann - soll hier etwa ein Lauf stattfinden, mitten in der Woche? Nein, nicht in Italien. Auf dem Weg zu unserer heutigen rückentauglichen Wanderung südöstlich von Siena sehen wir Richtung der Stadt immer weitere Schilder - Radrennen. In Siena finden wir dann weitere Hinweise, die wir als Schließung unserer Hauptzufahrtsstraße zu unserer Fattoria ab 14.30 Uhr für den heutigen Tag entschlüsseln.

Unsere 8km-Wanderung ab Stilignano über Brenna - kennt kein Mensch, wohnt auch kaum noch jemand - trotzdem schön - ereilen wir in sehr zügigem Tempo. Zeit genug, im Supermarkt noch Chips und Bier fürs Zuschauen des Radrennens zu ergattern. Ok, wir erahnen nur, dass es bei uns an der Fattoria vorbeigeht und haben uns irgendwie aus den Schildern den Zeitrahmen zusammengestrickt - wie es sich herausgestellt hat, aber auf jeden Fall erfolgreich.

Als das erste Polizeiauto mit TatüTata durchs Tal kommt, schnappen wir uns Stühle und Bier und pflanzen uns vor das Gelände. Es dauert noch gefühlte 37 Polizei-Motorräder, bis der erste Radfahrer an uns vorbei kommt - aber doch deutlich schneller als die Amateure am Sonntag.

Wir haben Spaß, schießen ne Menge Fotos und das kurze Nickerchen auf der Liege am Pool hatte ich mir nach der Anstrengung doch redlich verdient, oder?

So langsam packen wir unsere Sachen und ich freue mich auch schon wieder auf zu Hause.

Tag 11 - Tag des Shoppens

Letzter Tag, letzter Lauf - 7.10 Uhr, ich quäle mich den Berg hoch - diesmal ist es wirklich eine Qual und ich bleibe dreimal stehen, um mit mir zu kämpfen, ob ich zurück laufe oder durchhalte. Ich denke an das Schokoladen-Brioche, das im Nanini auf mich wartet und die sowieso schon knapp gewordene Jeans - die einzige Motivation, die heute funktioniert. So halte ich 9km durch und freue mich auf die Ebene zu Hause - nicht, dass ich generell jetzt mit Hügeln oder Bergen hadere aber immer in eine Richtung und zurück zu laufen und davon die ersten 3,5 km bergauf, das ist einfach nicht meins.

Heute ist Einkaufen angesagt - Frank eine Krawatte, ich wollte nach Schuhen schauen (klar Italien) und außerdem ist unser Weinvorrat noch nicht komplett. Vorher aber Brioche Cioccolate und Capucco bei Nanini. Das Vorher und Nachher des Tisches hab ich mal im Bild festgehalten. Ist ja nicht so, dass man komplette Teller dazu bekommt, isst man ja normalerweise auf der Hand. Frank Krawatte ist schnell erstanden, meine Schuhe passen nicht dafür gibt’s aber ein Kapuzenshirt - auch schön. Interessant sind die Angebote auf den Märkten - "echte" New Balance für 45 Euro zum Beispiel heute in Siena. ;-) Ach ja, und was ich schon die ganze Zeit erzählen wollte, die Firma Gucci hat ihre Vertriebsstrategie geändert. Die Taschen werden jetzt nicht mehr in schicken Läden auf der Kö etc. verkauft sondern man kann diese direkt auf der Straße erstehen. Auch die Preise haben sich stark nach unten bewegt und es scheint Geschäftsbeziehungen zu Armani und Versace zu geben - alles über einen Vertriebskanal und eine Person. Rolex-Uhren sind ebenfalls beim selben Händler zu erstehen. Interessante Distributionswege, die wohl über den afrikanischen Kontinent laufen. Interessant!

Auf der Suche nach einem bestimmten Weingut stoßen wir auf eine wunderschöne Zypressenallee (nicht, dass wir bis jetzt keine gesehen hätten aber diese war beeindruckend lang) und bei der Weinprobe auf so was von typische Kalifornier - ich kam mir ja mit meinen Trekking-Klamotten richtig schäbig vor vor so viel Gepflegtheit.

Ein Brot mit Schinken auf die Hand und dazu ein Glas Merlot stehend an der Bar - ich liebe diese Ess- und Trinkgewohnheiten in der Toskana. Ein letzter kleiner Nachmittagsschlaf auf der Liege und jetzt wird gleich gepackt. Wie gesagt, ich freue mich auf mein zu Hause, auf mein Bett und auf eine Dusche mit Wasserdruck - die Fattoria Argiano - unsere Unterkunft der letzten 11 Tage - ist auch ohne Wasserdruck empfehlenswert, den hatte ich nämlich in der Toskana noch nie, das ist also kein Kriterium.

Mit Wein- und Olivenvorrat für mind. das nächste halbe Jahr geht es heimwärts, bis zum nächsten Mal Toskana - Saluta, wir werden wieder kommen, irgendwann!

8 Kommentare:

  1. Ach, wie schön, schön, schön, schön, schön.
    Wunderbarer Bericht und traumhafte Fotos. Herrlich!
    Ich schwelge, ich träume, und ich will auch wieder in die Toskana.
    Mein Burgund ist ja auch ziemlich wunderschön, aber die Toskana ist halt einfach noch schöner.

    Ich kann euer Spiel, die Nationalitäten der Touristen nach der Kleidung zu erraten, gut nachvollziehen, ich mach das auch gerne - und Deutsche erkenn ich hier in Frankreich immer sofort, ohne dass sie was sagen müssen ;-)

    Was hat denn Franks Rücken? Hoffentlich nix Schlimmes? Rückenaua ist fies.

    Wieso bist du die Tante eines Halbitalieners?

    Siena ist eine traumhafte, wunderschöne Stadt. Nach St. Gimignano (oh wei, hab ich das jetzt richtig geschrieben?) haben wir es damals nicht geschafft, wir hatten einfach keine Lust auf die endlosen Touristenmassen.
    Aber kennst du Montepulciano? Da haben wir gewohnt.

    So, und jetzt hab ich Fernweh!!

    Ich sag es dir nochmal: ein toller Bericht, der mir sehr viel Spaß gemacht hat, und herrliche Fotos. Das freut mich wirklich für euch, dass ich so einen schönen Urlaub mit Traumwetter hattet.

    Und jetzt will ich doch noch bissi Platz lassen für andere Kommentierer *oops* ;-)

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  2. hähä - vielleicht erklärst du mir gerade, warum ich (solange ich die Klappe halte) im Ausland NIE als Deutsche angesprochen werde: ich lauf' zu schlampisch rum ;-)

    Ansonsten stimme ich Hasi zu: wunderbar, traumhaft, ich schwelge ... und freu' mich auf mein "erstes Mal" Toskana (40 km von Siena weg und angeblich nicht soo sehr Toskana-typisch, weil mehr bergig und waldig und touristisch weißer Fleck). Nun doppelt gespannt bedankt sich für Bericht und Eindrücke

    Lizzy

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  3. Zur Beantwortung der Fragen:

    Frank hat einen kleinen Riss im Wirbel und dort klemmt sich ab und zu ein Nerv ein - so oder so ähnlich.

    Meine Schwester war lange Jahre mit einem Italiener zusammen und daraus resultiert ein Kind - darum bin ich Tante eines Halbitalieners.

    Montepulciano kenne ich auch, wunderbar - dann warst Du sicherlich auch mal in Pienza, dort haben wir auch schon zwei mal gewohnt. Zu San Gimignano kann ich nur empfehlen, dort bzw. in der Nähe zu wohnen, um diesen wunderschönen Ort morgens sehr früh oder abends zu genießen - das ist toll.

    @Lizzy, bei meinem ersten Toskana-Besuch war ich erstaunt bzw. zuerst erschrocken, wie viele Seiten die Toskana hat. Anfänglich (das war in der Nähe von Pisa) fühlte ich mich gar nicht richtig aufgehoben. Es gibt auf jeden Fall viel zu entdecken und ich wünsche Euch ne schöne Zeit. Dieses Jahr noch?

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  4. Gummibund vielleicht einfach deswegen weil er mitwachsen kann? ;-)
    Du bist jetzt schuld! Ich will Urlaub haben...!! *schnief* ;-)

    Tschö sam

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  5. Vielseitigkeit erschreckt mich ja selten - eher im Gegenteil :o) Also ein Grund mehr darauf zu hoffen, dass bald Ende des Monats ist - dann geht's nämlich los. Für 8 Tage. Diesmal ohne Gatten aber mit einer vermutlich 6 Personen kleinen Alpenvereinsgruppe. Standort ist ein (dem Alpenvereins-Gruppenleiter privat gehörendes) Selbstversorger-Steinhaus mit viel Platz drumrum in der Einsamkeit. Es soll gewandert werden, das schon. Aber nur im gewünschten Rahmen - ausgeschrieben wurde es mit der Schwierigkeitsstufe "leicht". Das meint gewöhnlich: max. 5stündige Wanderungen mit max. 600 hm pro Tag. Aber da wir eine feste Basis haben, wurde bei der Vorbesprechung beschlossen, dass mans locker angehen läßt und im Grunde mehr als "Aktivurlaub" ansieht. Wandermöglichkeiten (mit vorhandenen Wegekarten) sind dort wohl reichlich vorhanden und auch dem Leiter bekannt. Per Auto wird einen Tag Siena angesteuert. Ansonsten schaunmermal wie das Wetter ist und wieviel Wanderlust die Leute so haben (mir alle bisher nicht persönlich bekannt bzw. nur vom Vortreffen).

    Ich freu' mich jedenfalls drauf. WEil ja im Grunde jede/r tun und lassen kann was er/sie mag. Es werden sich schon Leute mit gleichen Interessen zusammenfinden - Massenveranstaltung ist es auch wieder nicht ... ich lasse das freudig und ohne allzu feste Vorstellungen auf mich zukommen. Packe auch genug Lesestoff und neben den Wander- auch Laufklamotten ein ... es dürfte wirklich gerne bald soweit sein ;-)

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  6. Am Anfang dachte ich: "oh Anja, wann soll ich denn das alles lesen..." Und dann hatte ich mich frestgefressen! Danke für den tollen Reise-Bericht, ich bin mir jetzt einfach ganz sicher: da muß ich auch mal hin. Danke!

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  7. Kathrin, dort gibt es auch Marathon-Veranstaltungen;-))

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  8. Mensch...das muss ich mir abspeichern, ich hab grad nicht so die Muse zum lesen. Aber der Anfang liest sich spannend!!!

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