2.00 Uhr - der Wecker klingelt aber natürlich liege ich schon 30 Minuten wach. Wie schafft meine innere Uhr das nur, egal wann ich aufstehen muss, mindestens mal ne halbe Stunde vorher die Knöppe aufzuhebeln. Aber egal, es geht in Urlaub, es geht nach Mallorca. Als wir uns um 3.30 Uhr am Flughafen einen Kaffee bestellen, reagieren wir erstaunt, dass um diese Uhrzeit bereits Alkohol (also Bier) getrunken wird. Nicht schon sondern noch, klärt uns die Bedienung auf. Klar, es gibt viele Menschen, die sich für die wenigen Stunden gar nicht erst ins Bett legen.
Um 7.30 Uhr fahren wir mit dem Mietwagen vom Flughafen weg und sind um 8.00 Uhr bereits in dem Ort Sineu, in dem wir uns ein Frühstück genehmigen und den Markt anschauen wollen. Für den Markt sind wir zu früh und können uns so mit Milchkaffee und Baguette bewaffnet vor dem Cafe sitzend dem Treiben der Marktleute zuschauen. Ein toller Urlaubsbeginn. Die Märkte - egal wo man hingeht - geben heute leider wenig her, was man wirklich kaufen kann oder will. Da unterscheidet sich der Markt auf Mallorca nicht von dem in der Toskana und wahrscheinlich auch nicht von dem in Köln-Nippes. Einzig in dem Bereich, in dem Obst und Gemüse verkauft wird, hab ich meinen Spass, sehe lila Möhren, grüne Tomaten und jede Menge andere leckere Sachen.
Insgesamt auf jeden Fall ein toller Urlaubsbeginn.

Gegen Mittag geht es dann ins Hotel und den Nachmittag verbringen wir mehr schlafend als alles andere. Auch das ist Erholung und angesichts meines Schlafverhaltens der letzten 2 Monate bin ich einfach um jede Minute so dankbar und froh.
Abends dann die große Wahl der Restaurants. Mallorca ist ja nun nicht gerade unbekannt für gutes Essen. Wir entscheiden uns für eine Tapas-Bar. Tolles Ambiente, leckeres Essen, leckerer Wein. Der in Blätterteig gebackene Ziegenkäse mit Pflaumensauce ist zum Reinlegen und die gebackenen Kartoffeln sowie die gebratenen Gemüse munden hervorragend. Der gute mallorquinische Wein tut seins noch dazu. Herrlisch!
Tag 2 - Entlang der Küste und Freiheit für die Seele!
Es dauert etwas, bis wir den Start der Wanderung gefunden haben und irren zwischen Fincas hin und her aber bereits wenige Meter auf dem endlich gefundenen Weg wird klar: Das wird eine besondere Wanderung. Ich kann und will gar nicht so viel drüber schreiben außer dass es sehr abwechslungsreich war, steile Küste, sanfte Wiesen, Blumen und türkisblaues Meer und weißer Sandstrand. 12 km reinstes Balsam für die Seele und einfach nur wunderwunderschön. Unglaublich, dass nur 20km von diesen einsamen und so schönen Orten sich Urlauber morgens um die Liege am Pool streiten. Aber Gott sei Dank tun sie das und lassen uns mit wenigen anderen Wanderern diese schöne Landschaft für uns.
Nach der Wanderung wird ein wenig im Schatten an unserem Pool (ohne Liegenkampf) relaxed und ein paar Fotos vom Hotel gemacht.
Und gleich gehts vielleicht wieder in eine Tapas-Bar?
Tag 3 - Mein Essen gehört mir!
Welchen Grund gibt es, das Weleda-Zitrus-Erfrischungsduschzeug in die Minibar zu packen? Wenn es kleine Ameisen gibt, die genau das Zeug besonders lecker finden. Schnell gemerkt, alle anderen Kosmetika werden verschmäht und all die kleinen Ameischen waren auch schnell wieder verschwunden.
Heute morgen möchte ich den Rucksack für die Wanderung packen. Der steht seit gestern direkt an der Heizung. Ich greife beherzt zu und fange in dem Moment hysterisch an zu quicken. Uns waren aus der Verpackung ein paar Gebäckstangen in den Rucksack gefallen. Beim Aufräumen waren mir 3 Stück entwischt. Das hatten sich bei den Ameisen wohl ziemlich schnell rumgesprochen und man feierte zu Hunderten eine Party zwischen Regenjacke, Blasenpflaster und Gebäckstangen.
Nicht ganz so schlau war dann meine Reaktion, mitten im Zimmer den kompletten Rucksack auszukippen. Die gerade noch in Party-Laune befindlichen Ameisten strebten dann nach allen Seiten davon - in meine Schuhe, Richtung Bett usw. Die Viecher sind so klein, die bekommt man dann noch nicht mal zertreten. Da half dann nur das beherzte Sprayen der Putzfrau - die kennen sich hier damit aus.
Die Gebäckstangen liegen 3m weiter offen auf einem Tisch - bis dahin haben es die Ameisen nicht geschafft. Aber scheinbar gibt es eine Maueröffnung an der Heizung, hinter der sie sich befinden und der Weg war ihnen nicht zu weit. Gut, haben wir gelernt.
Unsere Wanderung rund um einen alten Wachtum gegen Piraten war wieder wunderschön, wunderwarm und wunderholprig über die Felsen. Für die Läufer unter den Lesern hab ich ein Bildchen mit eingebaut. Die drei Damen kamen uns in der Mittagshitze entgegen. Da kam bei mir noch nicht mal Neid auf, das war viel zu warm.

Wer findet hier das zweite Schaf?

Tag 4 - Bergisches Land am Kloster
Laufschuhe an, Klassik auf die Ohren und dann ab in die Mallorquinische Landschaft. OK, es sind immer noch nur 3km aber an alle Profis da draußen und an alle, die möglicherweise verzweifeln, weil sie keine großen Umfänge machen können: 3km können einfach toll sein. Mir haben sie wirklich gereicht, um mir einen schönen Start in den Morgen zu gönnen und jetzt muss ich noch schauen, dass ich von der Frühstücksdelegation nen Kaffee bekomme (hier gibt es nämlich Frühstück erst ab 8.30 Uhr, was für meinen Geschmack deutlich zu spät ist). Wenn ich den noch bekomme, dann kann es wohl keinen schöneren Morgen für mich geben.
Heute gibt es bedeckten Himmel, nicht schlecht für Wanderer.
Es gibt eine Tour über drei Kloster - diesmal ab von der Küste im Landesinneren.
Wir sind nicht alleine und teilen uns die Strecke mit einer ganzen Menge Rennradfahrer, die die Serpentinen zum Kloster hochfahren - beachtlich. Gott sei Dank gehen die Wanderwege immer abseits von der normalen Fahrstraße - wenn die Radfahrer nämlich abwärts düsen, möchte ich denen nicht in die Quere kommen.
Beim 3. Kloster angekommen, macht sich dort gerade eine Truppe eines Männergesangvereins aus dem Bergischen Land auf die Socken. Zum Abschluss werden uns noch 3 Lieder geträllert, La Montanara auf Mallorca, das hat schon was. ;-)
In La Figuera gibts die übliche Nach-Wander-Pause, damit wir auch mal ein "tpyisches" Fischerdorf gesehen haben.
Ach ja, noch zum Thema "Man spricht deutsch." Ich gebe zu, dass es mich allseits verunsichert, dass hier so selbstverständlich überall deutsch gesprochen wird, ich bin das in den meisten Urlauben nicht gewohnt und schätze es auch, zufrieden ein Essen bestellt und dann auch das bekommen zu haben, was ich vermutete. Hier natürlich nicht. Karte in deutsch, die meisten Bedienungen sprechen deutsch und ich weiß nie, ob ich das jetzt gut oder schlecht finden soll. Aber ist halt einfach so.
Ach ja, heute Abend gibt es Tapas. ;-)
Tag 5 - Fischerdorf und Fischerpfanne
Heute geht es ab in den Westen. Eine Wanderung zu einem Fischerdorf und zurück, an der Küste vorbei aber die meiste Zeit durch den Wald.
Das Dörfchen ist wirklich herzallerliebst, keine Hotels, nur zwei Restaurants und diese netten Fischerhütten. Nach einem Kaffee in einem der Restaurants entscheiden wir uns, den Weg zum Auto zurückzugehen und anschließend zu einem Mittagessen zurückzukommen. Das sollten wir nicht bereuen. Eine Fisch-Nudel-Pfanne wird wie eine Paella zubereitet und schmeckt vorzüglich. Einzig und allein diese kleinen Serpentinen hin und zurück belasten meinen Adrenalinspiegel sehr.
Beim Start der Wanderung war das Wetter sehr bedeckt, es tröpfelte sogar ein wenig - nach der Kaffepause kam dann die Sonne durch und es ist erstaunlich, wie sehr die Sonne doch anderes Licht auf die Bilder gibt.
Ach ja und speziell für einen Freund: So sieht eine Tapas-Bar aus.
Tag 6 - Palma ganz nass! Heute mal keine Wanderung, heute steht Palma auf dem Programm. Es könnte regnen aber das ist uns ja egal. Wie man auf dem Foto der Kathedrale sieht, beginnen wir mit strahlend blauem Himmel. Das ändert sich schnell. wir stapfen durch die Gassen der Altstadt und es fängt an zu tröpfeln. Als es dann so richtig gießt, sind wir so weit von Lokalen und vor allen Dingen vom Auto mit unseren Regenjacken weg, dass wir einmal schön durchnässt sind. So viele Fotos gibt es also von Palma nicht und ich denke, wir sollten die Stadt bei einem nächsten Besuch der Insel noch mal unter die Lupe nehmen - dafür aber schöne Fotos von uns als begossene Pudel
Abends gab es eine sowas von leckere Paella - göttlich. Man muss hier nur damit klar kommen, dass man in Lokalen sehr einsam ist. Es ist doch verhältnismässig wenig los.
Tag 7 - ein verlassenes Kloster, doch der richtige Weg und ein verloren gegangener Dackel!
Der letzte Tag des Urlaubes bricht an und damit steht auch die letzte Wanderung bevor. Am westlichsten Ende von Mallorca starten wir, um ein verlassenes Kloster zu erwandern.
Die Tour ist als leicht angegeben, was sich aus meiner Sicht als falsch aber schön herausstellt. Nachdem wir ganz sicher sind, uns verlaufen zu haben, klettern wir uns an einem Wanderweg einen Felsen empor. Den Weg hätten wir so wahrscheinlich nie gewählt, haben es aber nicht bereut.
Wir finden das verlassene Kloster und erkennen, dass wir doch den richtigen Weg gefunden haben. Es gibt einen wunderbaren Blick auf die vorgelagerte Insel Sa Dragonera und einmal müssen wir noch den Berg hoch, um dann in Serpentinen abwärts zu gehen (für meinen Geschmack anstrengender als Berg hoch). Ein Dackel und anschließend zwei deutsche Wanderinnen kommen uns entgegen, ungefähr 1km später eine zweite Frau, die uns auf deutsch anspricht und nach Sichtung des Dackels fragt. Ja, haben wir gesehen - ist mit zwei Wanderinnen unterwegs. Die Frau (ca. Mitte 60 - hochroter Kopf voller Anstrengung) flucht, dass es ihr Dackel ist, den die beiden Damen einfach von ihrer Finca aus mitgenommen haben. Wir sind mit ihr erbost und sie stapft weiter aufwärts - insgesamt ca. 3km aufwärts und 3,5 gesamt - eine Strecke - um den Dackel einzusammeln. Sachen gibts.

Ein kühles Bier erwartet uns in Sant Elm und ich belohne mich mit einem Stück Apfelkuchen. Nun ist eine wunderbare Woche vorbei, wir werden heute Abend noch ein letztes Mal Tapas essen und eins steht auf jeden Fall fest. Mallorca wird uns wieder sehen - es gibt noch viel zu entdecken und viel zu erwandern.